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Taschengeld statt Bezahlung

Das Bundesland Tirol zahlt Pflegepersonal in Ausbildung künftig ein Stipendium von 470 Euro im Monat. Eine „angemessene Entschädigung“ findet Landeshauptmann Platter (18.456 Euro Monatsbezug) allen Ernstes.

Innsbruck. Angesichts des eklatanten Mangels an Pflegepersonal muss die Politik in kleinsten Schritten von ihrer menschenverachtenden Kaputtspar-Linie abkehren. So plant Tirol, wo bereits hunderte Stellen im Pflegebereich nicht besetzt sind, ein Stipendium während der Ausbildung von unter 500 Euro vor. Betroffen sind rund 1.700 Personen in Tirol in einer Pflegeausbildung, die Regelung gilt ab 1. Jänner 2022. Ebenso fixiert wurde eine monatliche Covid-Zulage bis Ende April je nach Verwendungsbereich zwischen 250 und 400 Euro.

Mit den von der Landespolitik großspurig angekündigten Minimal-Verbesserungen bleibt man schlicht weit hinter den Notwendigkeiten zurück. Ob man 470 Euro im Monat jetzt „Taschengeld“ oder „Stipendium“ nennt; niemand kann damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Die vollen 470 Euro bekommt nur, wer sich zu einer mehrjährigen beruflichen Tätigkeit im Bundesland Tirol verpflichtet. Wer das nicht will – Flexibilität soll ja gerüchteweise auch im Sinne der Beschäftigten verstanden werden können – bekommt monatlich 130 Euro. Zum Vergleich: Polizeischüler erhalten 1.765 Euro pro Monat.

Die Bezüge der Politikerinnen und Politiker, die sich für dieses Taschengeld nun als große Retter der Pflege inszenieren, bewegen sich ohnehin in ganz anderen Sphären – und werden überdies 14 mal jährlich ausbezahlt. Neben der Weigerung, endlich eine existenzsichernde Bezahlung während der Ausbildung sicherzustellen, ignoriert die Landespolitik weiterhin – nicht nur in Tirol – überfällige Forderungen der Gewerkschaft wie Arbeitszeitverkürzung, Überarbeitung des Pflegeschlüssels und mehr Personal.

Quelle: orf​.at

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