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Teuerung als profitables Geschäft

Österreichische Energiekonzerne schütten heuer mehr als eine Milliarde Euro an Dividenden aus. Trotz teils kaum gestiegener Herstellungskosten – Stichwort erneuerbare Energien – verrechnen sie Marktpreise, um maximale Gewinne zu schöpfen.

Wien. Zwei teilstaatliche Konzerne – die OMV und der Verbund – leben aktuell in allem Zynismus vor, was Teilprivatisierung, Marktorientierung und Börsengang bedeuten: Während die einfache Bevölkerung mit drastischen Preissteigerungen bei Strom, Gas und Treibstoffen zu kämpfen hat, profitieren andere davon. Der Mineralölkonzern OMV schüttet dieser Tage nach einer Verdopplung der Gewinne im Vorjahr 752 Millionen aus. Der Verbund erhöht die bisherige Dividende ebenfalls massiv und lässt 364 Millionen Euro in die Taschen der Aktionäre fließen.

Dabei sind dies lediglich die Ausschüttungen für das Geschäftsjahr 2021, das Energiepreis-Rekordjahr 2022 wird letztlich noch größere Gewinne bedeuten. Die Milliardengewinne sind freilich nur deshalb möglich, weil die Infrastruktur von Verbund und OMV auf jahrzehntelangen Investitionen mit öffentlichen Geldern beruhen. Gerade im wasserkraftreichen Österreich müssten die Energiepreise keinesfalls im derzeit erlebbaren Ausmaß steigen – sie tun es deshalb, weil man ideologiegetrieben den Märkten das Diktat über die Preise überlässt.

Zynische Almosen

Nun halten Staat und die Bundesländer indirekt über regionale Energieversorger einen Großteil des Verbunds, bei der OMV ist es immerhin noch knapp ein Drittel. So ist es auch eine politisch mitgetragene Entscheidung, die Kosten zugunsten der Aktionäre (also auch des Bundeshaushaltes) in die Höhe schnellen zu lassen. Die gönnerhafte Verteilung von Almosen – Energiekostenausgleich, temporäre Steuersenkung – ist somit nicht nur unzureichend, sondern auch heuchlerisch.

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