HomeKlassenkampfViele von Long-Covid Betroffene arbeiten in der Pflege

Viele von Long-Covid Betroffene arbeiten in der Pflege

Aktuelle Zahlen zeigen, dass viele Menschen, die im Bereich der Pflege arbeiten unter den Langzeitfolgen einer Coronaerkrankung leiden. Das Ansteckungsrisiko ist sozial höchstgradig ungleich verteilt und somit auch die Folgen einer Erkrankung.

Oberösterreich. Dass die Ansteckungsgefahr mit Corona in sogenanntenn systemrelevanten Berufen besonders hoch war und ist, ist nichts Neues. Recherchen vom ORF zu Betroffenheit von Pflegekräften, als ein Teil dieser Gruppe zeigen, dass hier nicht nur viele Ansteckungen stattfanden, sondern die Kolleginnen und Kollegen auch häufig von den Langzeitfolgen, also Long Covid, betroffen sind. Es gibt in fast allen Spitälern in Oberösterreich Betroffene. Die Rede ist allein von zwölf Fällen im Klinikum Steyr. 

Long Covid kann viele Formen annehmen und wird oft nicht erkannt

Es ist die Rede davon, dass die betroffenen Kolleginnen und Kollegen keine 12 Stunden-Schichten mehr schaffen und auch Nachtschichten ein Problem sind. Auch von genereller geringerer Belastbarkeit, Lichtempfindlichkeit, häufig Erschöpfung, Müdigkeitsattacken und starke Wetterfühligkeit. Ebenso ist von regelmäßigen Krankenständen die Rede.

Es wird von einer hohen Dunkelziffer bei den betroffenen Kolleginnen und Kollegen ausgegangen. Expertinnen und Experten, die im Rahmen der REHA mit Long-Covid Patientinnen und Patienten zu tun haben, sprechen davon, dass es nicht den Long Covid-Patienten gäbe. Festzustellen sei, dass die Mehrheit der Betroffenen nur einen leichten Infektionsverlauf durchgemacht hätten. Symptome tauchen vielfach erst später auf. Chronische Erschöpfung sein ein Symptom, unter dem etwa Zweidrittel der Betroffenen im Rehabilitationszentrum Austria in Bad Schallerbach leiden würden. Auch chronischer Husten, Atemnot und Brustschmerzen ebenso wie neurologische Symptome sowie Kopf‑, Muskel- und Gelenkschmerzen werden als Long-Covid Symptome genannt. 

Corona als Berufskrankheit

Dass Corona und seine Folgen als Berufskrankheit anerkannt werden können, ist mittlerweile Fakt. In der AUVA-Liste der Berufe, in denen dies der Fall ist, sind verschiedene Bereiche aufgelistet. „Beschäftigte in Krankenhäusern, Heil- und Pflegeanstalten, Entbindungsheimen und sonstigen Anstalten, die Personen zur Kur und Pflege aufnehmen, öffentliche Apotheken, ferner Einrichtungen und Beschäftigungen in der öffentlichen und privaten Fürsorge, in Schulen, Kindergärten und Säuglingskrippen und im Gesundheitsdienst sowie in Laboratorien für wissenschaftliche und medizinische Untersuchungen und Versuche sowie in Justizanstalten und Hafträumen der Verwaltungsbehörden bzw. in Unternehmen, in denen eine vergleichbare Gefährdung besteht.“ Ob Kolleginnen und Kollegen beispielweise aus dem Lebensmittelhandel hierunter fallen, ist unklar. Klar ist jedoch, dass die Anerkennung einer Berufskrankheit immer eine schwierige und langwierige Prozedur, die kräftezehrend ist, mit sich bringt, was für viele Betroffenen auch im Fall von Corona eine große Hürde darstellt. Und dass trotz des Wissens, dass das Infektionsrisiko statistisch nach sozialer Lage höchstgradig ungleich verteilt ist und Berufserkrankungen in verschiedenen Bereichen quasi dazu gehören. 

Anstatt sich mit solchen Fragen der Pandemie zu beschäftigen oder Präventionsmaßnahmen zu schaffen, um weitere Long Covid-Patientinnen und Patienten zu vermeiden, indem Infektionen minimiert werden, wird versucht die Gesellschaft in Geimpfte und Ungeimpfte zu spalten und den Klassencharakter, den auch Corona mit sich bringt zu verschleiern.

Quelle: ORF/AUVA

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