HomeKlassenkampfWelthunger ist kapitalistischer Massenmord

Welthunger ist kapitalistischer Massenmord

Während jedes Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel in Mülltonnen landen, haben hunderte Millionen Menschen auf der Erde nicht genug zu essen – eine Perversion und ein Verbrechen des Kapitalismus

Planet Erde. Wie die NGO „World Wide Fund for Nature“ (WWF) kürzlich berichtete, landet rund eine Milliarde Tonnen Lebensmittel jedes Jahr im Müll – dies entspricht einem Drittel der gesamten globalen Produktion. Etwa 88 Millionen Tonnen davon (173 Kilogramm pro Kopf) entfallen auf die EU, eine Million (133 kg/Kopf) auf Österreich. Insbesondere Brot, Obst und Gemüse, Milchprodukte und Eier sind betroffen, wobei der Gutteil davon noch genießbar wäre. Knapp die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel stammen aus privaten Haushalten, etwas mehr wird bereits im Zuge der Produktion, des Transports und im Handel entsorgt – mitunter lediglich deshalb, weil optische Kriterien nicht erfüllt werden oder weil sie nicht mehr gewinnbringend genug verkauft werden können. Der WWF verweist in diesem Zusammenhang v.a. auf die ökologische Seite der Problematik der Lebensmittelverschwendung und der vermeintlichen Überproduktion. Setzt man die Zahlen aber zu anderen Daten in Bezug, so wird deutlich, dass man primär wohl andere Fragen stellen sollte.

Alle zehn Sekunden verhungert ein Kleinkind

Laut FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) litten im Jahr 2018 weltweit 822 Millionen Menschen an Unterernährung oder Hunger – dies sind elf Prozent der Weltbevölkerung. Die Zahl der jährlichen Hungertoten wird auf 30 bis 40 Millionen Menschen geschätzt, über drei Millionen sind Kinder unter fünf Jahren – in dieser Altersgruppe ist Verhungern die häufigste Todesursache mit 42 Prozent. Der Großteil der 822 Millionen Hungernden lebt, darbt und stirbt freilich in den abhängigen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, doch auch in den hoch entwickelten Staaten Europas und Nordamerikas hungern etwa 15 Millionen Menschen. Offensichtlich ist die globale Hungerpandemie gefährlicher als so manche Viruserkrankung. – Und jetzt das Rechenbeispiel: Ein Milliarde Tonnen Lebensmittel wird also in die Tonne geworfen, 822 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Wenn man diese Daten in mathematische Relation setzt, dann entfallen 1,2 Tonnen weggeworfene Lebensmittel auf jeden Hungernden. Daraus geht dreierlei hervor: erstens, es werden nicht zu viele Lebensmittel für den realen Bedarf produziert; zweitens, es werden ausreichend Lebensmittel produziert, um alle Menschen auf der Erde ordentlich zu ernähren; drittens: dies geschieht aber nicht. Es stellt sich die Frage: Warum? 

Imperialismus unterdrückt rückständige Länder

Natürlich hat das etwas mit den wirtschaftlichen Produktions- und Verteilungsbedingungen zu tun – und diese beruhen auf dem Kapitalismus. Dessen Apologeten und Profiteure erklären uns ja gerne, dass Hungersnöte lediglich durch Missernten aufgrund von Dürren oder Unwettern sowie – besonders zynisch (und rassistisch) – durch die zivilisatorische und landwirtschaftliche Unfähigkeit der betroffenen Menschen in der „Dritten Welt“ entstehen. In Wirklichkeit beutet der Metropolenimperialismus diese Länder massiv aus, indem ihnen z.B., aus dem Kolonialismus vererbt, großflächige agrarische Monokulturen zu Exportzwecken aufgezwungen werden, die Flächen für die Lebensmittelproduktion kosten und die Böden entwerten. Rohstoffgewinnung wird rücksichtslos betrieben, zulasten der Menschen und der Umwelt, sie bindet Arbeitskräfte und zerstört Lebensräume. Industrielle Fangflotten fischen die Gewässer leer, dafür gibt es über Knebelverträge Billigimporte aus Europa, was abermals den Lebensmittelproduzenten vor Ort die Existenzgrundlage entzieht. Und europäische und nordamerikanische Konzerne missbrauchen die Menschen der abhängigen Länder als Billigarbeitskräfte ohne Rechte. Hinzu kommen noch imperialistische politische, wirtschaftliche und militärische Interventionen sowie inszenierte Bürgerkriege um Ressourcenzugriffe und Transportwege für die internationalen Monopole. Die niedrigen und einseitigen Verwertungsbedürfnisse des Kapitals für ganze Regionen, ja Kontinente implizieren, dass mit Hilfe der Kompradorenoligarchie die Reichtümer und Profite abgeschöpft werden und in den imperialistischen Zentren landen, während für die Menschen in Afrika, großen Teilen Asiens und Lateinamerikas nur Existenzunsicherheit, Armut und Hunger zurückbleiben. Unterm Strich ergibt dies einen scheinbaren „Überfluss“ etwa in der EU, sodass Lebensmittel im Müll landen, und fürchterlichen Mangel in den abhängigen Ländern der Peripherie.

Kapitalismus tötet millionenfach

Man kann daraus einen einfachen Schluss ziehen: Der Kapitalismus ist offensichtlich nicht in der Lage – und gar nicht willens –, alle Menschen auf unserem Planeten zu versorgen und zu ernähren, gar ein Mindestmaß an Wohlstand zu gewähren. Denn für ihn sind die Profite und der Luxus einer Handvoll Milliardäre wichtiger als das Schicksal von Milliarden eigentumslosen Menschen. Mehr noch: Der Kapitalismus kann und will hunderten Millionen Menschen nicht einmal das bloße Überleben zugestehen, er nimmt es bewusst in Kauf, dass jedes Jahr bis zu 40 Millionen Menschen verhungern. Das ist nichts anderes als systematischer Massenmord. Der Kapitalismus funktioniert nicht und er ist moralisch mehr als bankrott. Die Perversion, dass viel mehr Lebensmittel weggeworfen werden, weil sie keinen oder zu wenig Profit einbringen, als man für die sichere Versorgung aller Menschen auf dem Planeten benötigen würde, ist nur ein Aspekt, der die Ver- und Überkommenheit unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems sichtbar macht. Es braucht offenkundig – und dies weltweit – ein anderes System, in dem die Bedürfnisse aller Menschen im Mittelpunkt stehen, das ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg funktioniert, in dem das Leben aller Menschen umfassend und gleichberechtigt gesichert ist. Dies wird nur auf sozialistischer Grundlage möglich sein.

Quelle: ORF / FAO-Statistiken

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