HomePanoramaMillionen-Geldbuße für STRABAG wegen Kartellbildung

Millionen-Geldbuße für STRABAG wegen Kartellbildung

Der Baukonzern STRABAG soll wegen illegaler Absprachen über 45 Millionen Euro Strafe zahlen – damit kommt das Raiffeisen/Haselsteiner-Unternehmen sogar noch billig davon.

Wien. Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat beim Kartellgericht eine Strafzahlung von 45,37 Millionen Euro gegen den Baukonzern STRABAG beantragt. Die juristische Bestätigung dieser Geldbuße scheint Formsache zu sein, wobei die BWB dem Großunternehmen damit ohnedies schon immens entgegengekommen ist. Hintergrund der Angelegenheit ist die 2017 erfolgte Aufdeckung eines weitreichenden Baukartells, bei dem verschiedene Unternehmen in den Jahren 2002 bis 2017 untereinander illegale Absprachen getroffen haben, um einerseits Kosten zu sparen und andererseits die Preise für die Kunden hochzutreiben. Da diese Tatsachen im Gefolge von Hausdurchsuchungen nicht mehr zu bestreiten waren, hat sich die STRABAG mit der Situation arrangiert: Man stellte sich als „Kronzeuge“ zur Verfügung und kooperierte mit den Ermittlern. Das ist auch der Grund, warum nur 45,37 Millionen fällig werden, denn der Strafrahmen beträgt eigentlich bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes – im Falle der STRABAG hätte dies eine Geldbuße von über 150 Millionen Euro ermöglicht. Insofern hat es sich der größte Baukonzern des Landes wieder richten können – und CEO Thomas Birtel kann sich natürlich bis heute nicht erklären, wie es zu den verbrecherischen Untaten gekommen ist. Die Konzernleitung ist selbstverständlich gänzlich unschuldig daran…

Die österreichische STRABAG ist mit rund 77.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 15,67 Milliarden Euro (2019) einer der größten Baukonzerne Europas, mit einer Reihe von Tochtergesellschaften im Inland, aber z.B. auch in der BRD und der Schweiz, sowie mit vielen lukrativen internationalen Projekten, v.a. in Ost- und Südosteuropa. Eigentümer des Unternehmens sind – zu jeweils rund einem Viertel – der ÖVP-nahe Finanzkonzern Raiffeisen/Uniqa, die Familie des ehemaligen LIF-Politikers und NEOS-Financiers Hans Peter Haselsteiner sowie der russische Oligarch Oleg Deripaska. Als Aufsichtsratsvorsitzender fungiert der frühere SPÖ-Vorsitzende und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Man sieht, die STRABAG ist ein konzentrierter Ausdruck des österreichischen Monopol- und Finanzkapitals sowie des staatsmonopolistischen Systems. Vor diesem Hintergrund verwundert es weder, dass das Unternehmen seine Stellung sogar auf illegale Weise missbraucht, um seine Marktanteile und Profite weiter zu erhöhen, noch, dass man als Milliardenkonzern nun mit einer überaus milden Strafe davonkommt.

Quelle: Der Standard

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