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Der Pöbler geht

Der ÖBAG-Aufsichtsrat konnte wohl nicht mehr anders: Thomas Schmid wird seine Tätigkeit als Vorstand der Verstaatlichten-Holding sofort beenden. In der türkisen Parallelwelt sieht man Schmid als Opfer einer „Menschenhatz“.

Wien. Heute Vormittag gab die Österreichische Beteiligungs-AG (ÖBAG) bekannt, dass sich der Aufsichtsrat und Alleingeschäftsführer Thomas Schmid auf eine sofortige Beendigung von Schmids Tätigkeit in der ÖBAG geeinigt hätten. Einvernehmlich bedeutet, der Herr Pöbler wird weich fallen, und es werden ihm auch im Abgang noch hunderttausende Euro nachgeworfen.

„Kriegst eh alles, was Du willst“

Was dazu geführt hat, ist wohlbekannt. Mehr oder minder als Zufallsfund stieß die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) im Zuge einer Hausdurchsuchung bei Schmid auf hunderttausende kurz zuvor gelöschte Chatnachrichten auf seinem Mobiltelefon. Bei der Auswertung trat zutage, dass Schmid sich die ÖBAG, den Aufsichtsrat und die Ausschreibungsbedingungen für den Job des Vorstands quasi selbst so gebastelt hat, dass am Ende er dort als im Chefsessel sitzt. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz war in den Postenschacher mehr eingebunden, als er ursprünglich zugeben wollte. Legendär wurde eine seiner Nachricht an Schmid mit den Worten: „Kriegst eh alles, was Du willst“.

Entgegen den Beteuerungen aus der ÖVP war nicht wirklich ersichtlich, was Schmid für den Job qualifizierte. Er hatte keinerlei Vorerfahrung in der Leitung eines Unternehmens, einzig und allein die Intrigenspiele in den Kabinetten der ÖVP kannte er bis dorthin. Auch die Wertsteigerungen der ÖBAG-Beteiligungen haben wenig mit Schmids Tätigkeit zu tun, vor allem sollen diese auf einen steilen Anstieg des Aktienkurses der OMV zu Ende des vorigen Jahres zurückzuführen sein, der aber ebenso schnell wieder die Talfahrt antreten kann.

Verachtung der einfachen Menschen

Das Fass zum Überlaufen brachten aber Chatnachrichten, die Anfang vergangener Woche bekannt wurden, in denen er die einfachen Menschen als „Pöbel“ und „Tiere“ bezeichnete. Der Betriebsrat und die früheren ÖBIB-Mitarbeiter müssten weg, hat er seiner Assistentin mitgeteilt. In seltener Offenheit wurde damit zum Ausdruck gebracht, wie der türkise Führungsklüngel über das Volk denkt. Der Aufsichtsrat der ÖBAG konnte wohl nicht mehr anders, nachdem er Schmid monatelang die Mauer gemacht hatte. Als Interimsvorstand wurde Christine Catasta bestellt, die erst im Herbst des Vorjahres als Direktorin an die Seite von Schmid gestellt wurde.

Damit ist jetzt Schmid nach Verfassungsrichter Brandstetter binnen weniger Tage der Nächste aus dem intimen Kreis um Bundeskanzler Kurz, der zu gehen hat. 

Kurier-Chefredakteurin berichtet aus der Welt der Türkisen

Über den Abgang von Schmid sind aber nicht alle glücklich. Kurier-Chefredakteurin Martina Salomon, eine ganz besonders Eifrige aus der journalistischen Prätorianergarde des Sebastian Kurz, schreibt von einer „Menschenhatz“ auf den armen Thomas Schmid: „Die zum Teil wohl gesteuerte Twitter-Häme nimmt die persönliche Vernichtung eines Menschen in Kauf.“ Wie bitte? Der längst überfällige Abgang eines solchen zynischen Schnösels, der sich seinen Posten ganz offensichtlich durch Mauschelei erschlichen hat, ist eine „persönliche Vernichtung“? In der Parallelwelt der Türkisen vielleicht, in der echten Welt muss man allen dankbar sein, die diese Chats an die Öffentlichkeit gebracht haben.

ÖBAG soll arbeiten und das MAN-Werk gemeinsam mit der Belegschaft führen

Vielleicht kann die ÖBAG künftig ungestört die bestmögliche Verwaltung der wichtigsten Industriebeteiligungen der Republik angehen. Und es wäre nicht schlecht, wenn noch welche dazukämen, etwa das MAN-Werk in Steyr. Eine zukunftsfähige Produktion von kleinen Transportern mit Elektroantrieb wäre ein Zweig, der aufgebaut werden müsste, und am besten von der öffentlichen Hand gemeinsam mit der Belegschaft des Werks verwaltet wird, damit nicht die kurzfristigen Verwertungsinteressen eines Weltkonzerns im Mittelpunkt stehen, sondern die Zukunft des Werkes, der Region und der österreichischen industrieproduktion.

Quelle: ORF

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