Start Politik Tirol: Privatkliniken ohne COVID-Patienten erhalten Impfungen, öffentliche Spitäler gehen leer aus

Tirol: Privatkliniken ohne COVID-Patienten erhalten Impfungen, öffentliche Spitäler gehen leer aus

Tirol. Während Rettungssanitäter nach wie vor nicht geimpft werden – wie die Zeitung der Arbeit bereits berichtete – und auch öffentliche Spitäler mit Lieferengpässen des Impfstoffes zu kämpfen haben, werden offenbar Privatkliniken von der Landesregierung vorgereiht. Wie das Land Tirol bestätigte, wurden die Medalp-Kliniken, das Sanatorium Kettenbrücke der Barmherzigen Schwestern, das Sanatorium Hochrum der Kreuzschwestern als auch die Rehakliniken Münster und Kitzbühel beliefert. Laut dem STANDARD werden allerdings nur in der Rehaklinik Münster COVID-Patienten behandelt. Nicht uninteressant in diesem Zusammenhang ist, dass Alois Schranz, Mitbegründer der Medalp-Kliniken, gleichzeitig Vorsitzender des ÖVP-dominierten Unternehmerverbundes ist.

Gescheiterte Impfstrategie ist Symptom des kapitalistischen Gesundheitssystems

Insgesamt wurden 490 Impfdosen an diese 5 fünf Privatkliniken geliefert. Brisant wird die Sache aber, dass in etlichen öffentlichen Krankenhäusern in Tirol die Menge an Impfdosen zu niedrig ist bzw. der Impfstart überhaupt später anfängt als erwartet. So wurden 3100 Impfdosen an die öffentlichen Spitäler verteilt – wobei schon angekündigt wurde, dass es zu Engpässen kommen werde. Gleichzeitig sollen dieses Wochenende 300 Sanitäter des Roten Kreuzes, welche bei Corona-Testungen eingesetzt werden, geimpft werden.

Sollten „Reste“ übrig bleiben, so Andreas Karl, Geschäftsführer beim Rettungsdienst Tirol, so werde man diese an Notfallärzte und Notfallsanitäter verimpfen. Ähnliche Töne hört man vom Land Tirol in Bezug auf die 5 Privatkliniken; bei dringendem Bedarf könne man „Reste“ der 490 Impfungen an öffentliche Spitäler schicken. Das alleine wird aber den augenscheinlichen Mangel sowie die extrem langsame Impfgeschwindigkeit nicht kompensieren können. Zum Vergleich: Alleine das Rote Kreuz bräuchte 4700 Impfdosen laut Eigenerhebung, davon 3900 Personen prioritär.

Die Intransparenz und das chaotische Vorgehen, die abseits des Gesundheitswesens nicht zuletzt an den „Vordrängler-Bürgermeistern“ wieder einmal deutlich zum Vorschein kamen, sind fester Bestandteil des kapitalistischen Gesundheitssystems. Mit ihr ist keine planbare, gerechte Gesundheitspolitik im Sinne der Mehrheit der Menschen zu machen.

Quelle: Der Standard

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