Brennpunkt: Schulen

Kommentar von Markus Summer, Lehrer und Mitglied der Partei der Arbeit

Wer sich als Lehrkraft oder Mitglied der Bildungsdirektion in Österreich von seinem zuständigen Ministerium erwartet, dass es pädagogische Standards der Kommunikation, Vermittlungskompetenz und Vorausplanung einhaltet, kann sich in dieser Pandemie mittlerweile fast wöchentlich vom Gegenteil überzeugen.

Mit der Ankündigung des Lockdowns ab 22. November hat sich für Schülerinnen und Schüler, Unterrichtende sowie schulisches Verwaltungspersonal ein mittlerweile schon bekanntes Ritual wiederholt. Man ist wahrscheinlich gerade in den letzten Unterrichtsstunden der Woche oder sogar schon fertig mit dem Regelunterricht und darf wieder via Pressekonferenz oder, noch kurioser, beim Lesen eines oe24-Heftls auf dem Heimweg erfahren, dass sich mal wieder der Schulbetrieb ändert. Diese Änderungen treten natürlich direkt nach dem Wochenende in Kraft. Von Vorlaufzeit, zeitgerechter Informationen an die Schulleitungen kann keine Rede sein und eventuell mehr Details zu erfahren als die Inhalte der Pressekonferenzen, ist sowieso nur noch reines Wunschdenken.

Diesmal ist es aber besonders kurios, denn Bildungsminister Faßmann scheint mittlerweile nicht mal mehr einen Versuch anzustreben, in irgendeiner Weise Verantwortung zu übernehmen. Die aktuelle Situation ist ein rücksichtsloses Alleinlassen der Schulen, Eltern und Schüler. Der Minister verhadert sich in Nonsens-Regelungen, die entweder gar keine Regelungen sind oder keine gesetzliche Grundlage haben, auf der sie stehen sollten. So wird den Eltern nach Gutdünken überlassen, ob sie ihr Kind in die Schule schicken, mit dem Hinweis, die Eltern sollen doch selbst das Infektionsgeschehen in ihren Bezirken überwachen – auf Nachfrage im Ö1 Interview kann der Minister selbst aber keine Empfehlungen abgeben, wo das Risiko hoch und wo eher niedrig ist. Laut ihm sind die Eltern hier die besten Richter. Kurzum betont Faßmann die Wichtigkeit des Regelunterrichts und weist doch darauf hin, Kinder nicht in Risikoschulen zu schicken, aber jeder Elternteil würde schon die richtige Entscheidung treffen. In einem Nebensatz erwähnt Faßmann noch, dass man natürlich auch sehen sollte, ob man seiner Lohnarbeit trotzdem ungestört nachgehen kann, wenn man sein Kind schon daheim lässt.

Auch Schulleitungen und Lehrpersonal müssen momentan selbst aktiv werden, wenn irgendwas geschehen soll. Die Direktion meiner Schule wurde unmittelbar nach der Pressekonferenz mit Anrufen und Emails bombardiert, ohne verbindliche Antworten geben zu können, die Lösung wurde selbst gewählt und es wurde an Regelunterricht und volle Anwesenheit der Schüler appelliert. Seit Lockdownbeginn am Montag sind die Klassen an meinem Standort regulär besucht, nur vereinzelt haben sich Eltern entschieden ihre Kinder daheim zu lassen. Für Abwesende gilt es jetzt natürlich die berüchtigten „Lernpakete“ zu schnüren. Das heißt natürlich nichts anderes als Mehrarbeit für das Lehrpersonal, das den Daheimbleibenden Arbeitsaufträge schickt, damit auch diese Schüler nicht den Anschluss verlieren. Schularbeiten und Tests sollen in der Lockdownzeit ausgesetzt werden und kein neuer Stoff soll unterrichtet werden, um gerade jetzt keinen Leistungsdruck als weitere Belastung entstehen zu lassen – auch das wird von Faßmann daherfantasiert. Auch für diese Empfehlung fehlt die gesetzliche Grundlage. Was noch viel mehr fehlt, ist natürlich der Bezug zur Realität, denn ein Verzichten auf die Erarbeitung von neuen Lerninhalten ohne gleichzeitig die Prüfungsvoraussetzungen, gerade für Abschlussklassen, zu verändern, erzeugt nämlich sowohl bei Lehrenden als auch Schülern umso mehr Druck.

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