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Corona: Was die Regierung so macht?

Ein Kommentar von Marie Jaeger, Mitglied der Partei der Arbeit.

Die Regierung glänzt momentan nicht einmal damit, dass sie lediglich die Interessen des Kapitals durchsetzt. Die ÖVP und die Grünen glänzen mit Inkompetenz. Diese wird wahrscheinlich aufgrund der betriebenen Freunderlwirtschaft deutlich. In den letzten sieben Tagen machte man sich mit der Kampfansage an Amazon mit einem über 600.000 Euro teuren „Onlineshop“, der nichts anderes, als eine schlechte Linksammlung ist, zur bundesweiten Lachnummer. Als interessierte Bürgerin fragt man sich, wer hat euch denn da beraten? Bei den Tipps auf eurem Kaufhaus wird erklärt, wie man einen Onlineshop gestalten soll, um diesen möglichst beliebt bei den Kundinnen und Kunden zu machen. Vielleicht hätten diese Informationen auch dem Designer des „Kaufhaus Österreich“ geben sollen, damit das was wird. 

Lustig ist auch, dass man, wenn man ernsthaft denkt „Naja alle schimpfen, aber ich will ja nicht so sein und schaue es mir an“, merkt, dass es noch merkwürdiger ist als gedacht, oder es zumindest noch mehr Kuriositäten gibt. Die Plattform, die angeblich lokale Händlerinnen und Händler fördern will, führt mich teilweise zu Amazon-Shops, aber auch zu Ketten wie C&A o.ä. War das wirklich der Sinn? Naja, sei es drum, es war ohnehin zu kompliziert, somit geht es doch zum googeln zurück, wo zumindest ich eher fündig werde. Außerdem hat die Regierung am Mittwoch ohnehin verkündet, den Handel wiederzueröffnen, somit sind die Interessen des Handels ohnehin gedeckt. Dann kann es losgehen, und zwar dank Sozialpartner direkt mit einem besonders langen Tag für die Kolleginnen und Kollegen, natürlich „freiwillig“. Einer der umsatzstärksten Tage im Vorweihnachtsgeschäft und auch die Adventssamstage führen nun nämlich für einige Kolleginnen und Kollegen neben Urlaubssperren noch dazu, dass sie teilweise 12-Stunden-Schichten schieben dürfen, der Laden muss schließlich auf den Ansturm vorbereitet und danach auch wieder hergerichtet werden. Das geschieht natürlich im Sinne des Gesundheitsschutzes, nur damit klar ist, das ist im Sinne der Kolleginnen und Kollegen. Von FFP‑2 Masken oder ähnlichem fehlt nach wie vor jede Spur.

Dann gibt es ja noch die Massentests, die Satirezeitung „Die Tagespresse“ titelte zu Beginn der Woche „IT für Massentests bereit: Sebastian Kurz erstellt Doodle“. Diese Überschrift war bereits am Montag amüsant. Das gestrige Datenschutzproblem hat verdeutlicht, dass die Tagespresse hier mal wieder traurig nah an dem dran war, was eintrat. Die Plattform zur Anmeldung zum Massentest ging nämlich bereits gestern wieder wegen Datenleck-Gefahr offline. Mal schauen, was als Nächstes kommt. 

All das schafft Vertrauen, nachdem mit der planlosen Politik, die vor allem den Interessen des Kapitals folgt, Österreich an die Spitze der Corona-Neuinfektionen gebracht hat, wird nun munter weiter Vertrauen geschafft. Trotz nach wie vor massiver Ansteckungszahlen, auch im internationalen Vergleich. Ach ja die Fehlerhaften FFP2 Masken die ausgeliefert wurden, ganz vergessen. Aber der Virus kommt aus dem Ausland, deswegen werden Reisebeschränkungen erlassen. Diese mögen zum Infektionsschutz ohnehin sinnvoll sein, man fragt sich nur, wo waren diese im Sommer, als die Infektionszahlen in Österreich tatsächlich niedriger als im angrenzenden Ausland waren? Somit alles in allem ein schlüssiges Bild, die Regierung will sich Freunde machen und den wirklichen Freunden Aufträge geben, und die Message bleibt klar: das Individuum ist verantwortlich dafür, eine gesellschaftliche Krise zu bewältigen. So ist das halt im Kapitalismus, selbst Schuld, wenn ich mich anstecke und dann auch noch andere. Und mit den gesundheitlichen, vielleicht auch langfristigen Konsequenzen muss ich auch individuell klarkommen.

Quelle: Die Tagespresse

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