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Das neue Ranking der Innsbrucker Universität

Gastautor: Gerhard Oberkofler, geb. 1941, Dr. phil., Universitätsprofessor i.R. für Geschichte an der Universität Innsbruck.

„Internationale Hochschulrankings stellen der Universität Innsbruck regelmäßig ein gutes Zeugnis aus und beweisen, dass die Innsbrucker Universität trotz der zum Teil schwierigen Rahmenbedingungen eine aus dem europäischen Hochschulraum herausragende Forschungs- und Bildungseinrichtung ist“ – so ist auf der Homepage der Innsbrucker Universität zu lesen. Im Anfang September d. J. veröffentlichten „Times“-Ranking wurden 1662 Universitäten aus 99 Ländern und Regionen bewertet. Die Universität Innsbruck ist nicht mehr im Spitzenfeld platziert, was viele Gründe, jedenfalls nicht nur statistische, haben kann. Verantwortlich für diese offenkundig gewordene Rückreihung ist das nach dem langjährigen (seit 2011) Rektor Tilman Märk benannte „Märk-System“ der Tiroler Landesuniversität Innsbruck. Dieses System ist z. B. durch ad personam Ernennungen gekennzeichnet, aber auch durch die Anmaßung, Kritiker seiner Herrschaftspraxis möglichst mundtot zu machen. Im „Märk-System“, das natürlich Vorläufer hat, wird von seinem Hofstaat vorgegeben, was Wissenschaft ist. Es kann nicht nur ein Zufall sein, dass der international bekannte Molekularbiologe Josef Penninger, der überdies eine persönliche Affinität zu Innsbruck hat, mit seinen Sponsoren zu Anfang dieses Monates eines seiner innovativen Forschungsprojekte außerhalb dieses „Märk-Systems“ angesiedelt hat.

Unmittelbar vom Tiroler Universitätssystem profitiert die katholisch theologische Fakultät, deren Mangel an Ehrlichkeit schon der weltbekannte Mathematiker Wolfgang Gröbner beklagt hat. Das Institut für (katholische) Systematische Theologie dieser Fakultät mit seinem aus dem Kriege führenden Deutschland stammenden Institutsleiter Roman Siebenrock veranstaltet vom 9. September bis 11. September d. J. gemeinsam mit der erzkatholischen Fokolar-Bewegung eine Tagung mit der schönen Überschrift „Alle Blumen (be)achten – Guardare tutti i fiori“.

Mit „focolare“ wurden in der Gegend von Trient die Feuerstellen in den Bauernhäusern bezeichnet, um die sich die vom Patriarchat geprägten Familien versammelten. Die Fokolarbewegung ist die „Schöpfung“ einer Chiara Lubich (1920–2008), die 1943 ähnlich dem Narrativ von Fatima oder Medjugorje in Trient ihre „Erleuchtung“ empfand. Daraufhin bot sich Chiara Lubich im Einvernehmen mit der Vatikanhierarchie fortan als Werkzeug für die Agenda der imperialistischen Herrschaftsinteressen an und fand besonders im sich intellektuell gebenden Kleinbürgertum eine Anhängerschaft. Das im Kleinbürgertum verbreitete auswegslose Grau wurde durch die rosaroten Kunstblumen der Fokolarbewegung erträglicher. Im Kalten Krieg arbeitete Chiara Lubich eng mit jenem selbst in Kirchenkreisen berüchtigten Werenfried van Straaten zusammen, der mit seiner „Ostpriesterhilfe“ den Weg des Friedens verlassen und offen den Kriegskurs der NATO eingeschlagen hat. Nach der Implosion der sozialistischen Länder bediente sich die Fokolarbewegung der Ideologie des liebevollen Zusammenlebens von Armen und Reichen. Abgelenkt soll werden vom notwendigen Kampf der Massen der Unterdrückten für ihre Befreiung von der Herrschaft der Wenigen. Die offenkundige Dialektik von Arm und Reich soll im Alltag von der „Mystik“ der Fokolarbewegung zum frommen Nutzen der Herrschaft des Reichtums überlagert werden. Das Individuum verlässt dabei scheinbar die gegebenen gesellschaftlichen Zusammenhänge und nimmt mit dem angenommenen und ihm angebotenen Gott direkten Kontakt auf. Antonio Gramsci, der kein Mystiker, sondern historisch materialistischer Denker war, hat bei seiner Erörterung von enzyklopädischen Begriffen darauf verwiesen, dass die Franzosen den Terminus „Mystik“ in die politische Sprache zur Bezeichnung eines nichtrationalen und politisch exaltierten Geisteszustandes eingeführt haben.

An der staatlichen Universität Innsbruck wird also eine private erzkatholische Vereinigung mit eindeutig irrationalem Hintergrund institutionalisiert. Dagegen wird an der Innsbrucker Universitätsfakultät der römisch-katholischen Theologie das Andenken an die Befreiungstheologie, deren Märtyrer Ignacio Ellacuría und Segundo Montes in Innsbruck studiert haben und zu der Papst Franziskus eine Nahebeziehung hat, mit Füssen getreten.

Es ist also gewiss kein Zufall, wenn die Tiroler Landesuniversität Innsbruck mit einer solchen Verhöhnung von Vernunft im internationalen wissenschaftlichen Ranking an Terrain verliert. Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Innsbrucker Universität mit ihrer Fokolare Veranstaltung einen Sprung nach vorne auf der Rangordnung der evangelikalen Universitäten macht und damit den Verlust an Ansehen in der Welt der Wissenschaft kompensieren will. Die Evangelikalen werden bekanntlich mit Unterstützung des US-Imperialismus in Lateinamerika sehr gefördert.

Weiterführende Links:
Rankings – Universität Innsbruck (uibk​.ac​.at)
„Alle Blumen (be)achten – Guardare tutti i fiori“
Alle Blumen (be)achten – Guardare tutti i fiori | Fokolar Bewegung Östereich (fokolar​-bewegung​.at)
Opportunismus anstatt Theologie der Befreiung | DiePresse​.com

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