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Landesfeiertag in Niederösterreich und Wien

Der Leopolditag verweist auf einen bedeutenden Babenbergerherrscher im mittelalterlichen Österreich, aber auch auf den Beginn der kontinuierlichen Herausbildung einer eigenständigen österreichischen Nation.

Wien/St. Pölten/Klosterneuburg. Der 15. November ist in den österreichischen Bundesländern Niederösterreich und Wien Landesfeiertag. Bis 2004 war er es auch in Oberösterreich, ehe man dort in einem separatistischen Akt und unter Berufung auf Florian von Lorch zum 4. Mai wechselte. Das Datum verweist auf den Todestag von Markgraf Leopold III. aus dem Haus der Babenberger, der am 15. November des Jahres 1136 in seiner Residenzstadt Klosterneuburg an den Folgen eines Jagdunfalls starb. Aufgrund seiner engagierten Klostergründungen (neben dem Stift Klosterneuburg u.a. auch Heiligenkreuz oder Klein-Mariazell) sowie seiner Papsttreue im Investiturstreit wurde er 1486 von Papst Innozenz VIII. heiliggesprochen – seither wird zum entsprechenden Datum der Leopolditag begangen, seit 1683 ganz amtlich per kaiserlichem Dekret. Die Heiligsprechung hatten die Habsburger zum Zwecke der österreichischen Identitätsstiftung bewusst forciert, die nach dem Aussterben der Babenberger in männlicher Linie 1278 die Herrschaft über Österreich übernommen hatten, das Land mittels Königs- und Kaiserwürde zur Großmacht ausbauten und bis 1918 regierten. Die Grundlage hierfür hatten jedoch eben schon die Babenberger und nicht zuletzt Leopold III. geschaffen, weswegen in Niederösterreich und Wien bis heute auf ihn als Landespatron Bezug genommen wird.

Tatsächlich gelang es bereits den Babenbergern – lange vor den hierfür berühmten Habsburgern („Bella gerant alii, tu felix Austria nube!“) –, mittels gezielter Heirats- und Bündnispolitik in der europäischen Hocharistokratie Verbindungen zu knüpfen und schrittweise aufzusteigen. Leopold III. ist es anzurechnen, im markgräflichen Kernland um die nieder- und oberösterreichische Donau das Land durch Rodungen und Kolonisierung erschlossen und das feudale Herrschaftsgebiet ausgebaut zu haben. Hinzu kamen die Steiermark sowie Gebiete im heutigen Oberösterreich und Slowenien, zwischenzeitlich auch Bayern, es folgte 1156 die Aufwertung zum eigenständigen Herzogtum Österreich und damit die Trennung von Bayern. Dieses Herzogtum (ab 1453 Erzherzogtum) bildete den Kern der späteren Habsburgerherrschaft und schließlich auch der heutigen Republik, wenngleich das „eigentliche“ Österreich letztlich in die drei Länder Nieder- und Oberösterreich sowie Wien geteilt wurde. Schon zuvor hatte sich der Name, der bis ins späte 10. Jahrhundert zurückreicht („Ostarrichi“), aber über alle Habsburgerbesitzungen ausgedehnt, endgültig und formell mit der Gründung des Kaisertums Österreich 1804. In historischer Betrachtung schufen die Babenberger mit ihrem Wirken aber eben auch die älteste Keimzelle der kontinuierlichen Herausbildung einer eigenständigen österreichischen Nation, die sich schließlich unabhängig von der deutschen entwickeln sollte. Sogar das rot-weiß-rote Banner, bis heute die österreichische Nationalflagge, stammt aus dieser Zeit, dem 12. Jahrhundert. Auch darauf verweist der 15. November, wenn man ihn von der katholischen Heiligenverehrung befreit.

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