HomeFeuilletonGeschichteVor 40 Jahren: Bobby Sands stirbt in britischer Haft

Vor 40 Jahren: Bobby Sands stirbt in britischer Haft

Mit Bobby Sands, MP, starb im Mai 1981 einer der prominentesten politischen Gefangenen aus den Reihen der IRA – zum Mythos wurde er gerade durch seinen Tod.

Am 5. Mai 1981 starb der 27-jährige Robert „Bobby“ Sands im Gefängniskrankenhaus von Maze, Nordirland. Er war zu diesem Zeitpunkt schon für fast neun Jahre, seit 1972 – mit einer sechsmonatigen Unterbrechung – in britischer Haft. Als Sohn einer katholischen Familie aus Belfast, geboren am 9. März 1954, hatte er in der Nachbarschaft, in der Schule und am Arbeitsplatz – einer Automobilfabrik – regelmäßig Erfahrungen mit Diskriminierung, Unterdrückung und Bedrohungen gemacht. Als schließlich sein Elternhaus von Unionisten förmlich belagert und die Familie vertrieben wurde, entschloss sich Bobby, der Irischen Republikanischen Armee (IRA) beizutreten – im Alter von 18 Jahren. Für die IRA war er an verschiedenen Aktionen beteiligt, nach einem Bombenanschlag im Oktober 1976 landete er endgültig im Gefängnis. Jedoch nicht, weil seine Beteiligung an dem Attentat bewiesen worden wäre, sondern wegen illegalem Waffenbesitz – die fragliche Pistole war bei einer Schießerei mit der britisch-nordirischen Polizei verwendet worden. Das Urteil lautete auf 14 Jahre und Bobby Sands kam 1977 mit anderen IRA-Aktivisten in das Spezialgefängnis von Maze, in der Nähe von Lisburn.

Irischer Hungerstreik 1981

Dort wurde es den republikanischen Häftlingen verwehrt, als politische Gefangene behandelt zu werden, obwohl sie freilich genau dies waren. Diese Tatsache führte einerseits zu allerlei Zwangsmaßnahmen, andererseits zu Protesten der Insassen. Doch Premierministerin Thatcher war zu keinerlei Zugeständnissen, ja nicht einmal Verhandlungen bereit. Es kam daher im Herbst 1980 zu einem ersten Hungerstreik, und als nach diesem die meisten Zusagen nicht eingehalten wurden, ab März 1981 zum großen Irischen Hungerstreik, der in gewandelten Formen fünf Jahre andauern und zehn Todesopfer fordern sollte. Bobby Sands starb bereits nach 66 Tagen an den Folgen dieser Protestform – am 5. Mai 1981. Zu diesem Zeitpunkt war Sands nicht nur der Kommandant der IRA-Mitglieder im Maze-Gefängnis, sondern auch Mitglied des britischen Parlaments: Kurz nach Beginn des Hungerstreiks wurde er als Kandidat bei der Unterhausnachwahl im Bezirk Fermanagh and South Tyrone nominiert – und gewann die Wahl am 9. April 1981 tatsächlich vom Gefängnis aus. Damit war er offiziell Abgeordneter, konnte sein Mandat aber natürlich nicht antreten (was er aber auch in Freiheit wohl nicht getan hätte). Doch nicht nur diese Episode trägt zur anhaltenden Popularität von Sands unter irischen Republikanern und Freiheitskämpfern auf der ganzen Welt bei.

Literatur und Nachwirkung

Im Gefängnis begann Bobby Sands nämlich damit, sich literarisch zu betätigen. Seine Gedichte, Kurzprosa, Liedtexte, Artikel, Briefe und nicht zuletzt das Buch „Ein Tag in meinem Leben“ wurden auf abenteuerliche Weise und im Geheimen aus der Haft geschmuggelt und veröffentlicht, zunächst unter Pseudonymen, um den Autor nicht weiter zu gefährden. Dieses Werk trägt neben seiner Entschlossenheit und Opferbereitschaft zu jenem Mythos bei, der sich rund um Sands recht rasch gebildet hat. Nach seinem Tod gab es nicht nur in Irland, sondern in vielen Ländern der Erde Protestdemonstrationen, die IRA erlebte einen regen Zustrom an neuen Aktivisten und Spenden. Sands’ Begräbnis in Belfast wurde von über 100.000 Menschen begleitet. Die sowjetische „Prawda“ schrieb damals, der Tod von Sands sei „eine weitere tragische Seite in der düsteren Chronik von Unterdrückung, Diskriminierung, Terror und Gewalt“ im britisch besetzten Teil Irlands. Die Fans des Celtic Football Club im schottischen Glasgow bezeichnen ihn in ihren Gesängen als „the gallant Bobby Sands“ und bilden ihn bis heute auf Transparenten ab – 2013 wurde der Fußballverein dafür mit einer 50.000-Euro-Geldstrafe sanktioniert.

Auch dieses Detail zeigt – wie die gegenwärtigen verzerrenden historischen Betrachtungen im Vereinigten Königreich –, dass die Herrschenden in London und Belfast sogar 40 Jahre nach seinem Tod Bobby Sands immer noch fürchten. Denn man muss seine Methoden zwar nicht gutheißen, darunter Bombenanschläge und der selbstgewählte Hungertod – doch die Zielsetzung der Befreiung ganz Irlands von britischer Herrschaft bleibt für viele Menschen auf der grünen Insel bis heute aktuell. Und Bobby Sands ist mit seinem kurzen Leben und mehr noch mit seinem aufsehenerregenden Tod ein nach wie vor mächtiges Symbol für diesen Kampf.

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