HomeFeuilletonGeschichteZum 110. Geburtstag von General Võ Nguyên Giáp

Zum 110. Geburtstag von General Võ Nguyên Giáp

Am 25. August jährte sich der Geburtstag von Võ Nguyên Giáp (1911–2013) zum 110. Mal. Der Freiheitskämpfer, Militärstratege und Politiker war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Geschichte Vietnams.

Võ Nguyên Giáp wurde am 25. August 1911 im zentralvietnamesischen Bezirk Lệ Thủy geboren. Er entstammte einer Familie, die über relativen Wohlstand und Bildung verfügte, und konnte das französische Gymnasium in Huế besuchen. Doch Giáps Vater hatte sich keineswegs mit den Kolonialherren in Indochina arrangiert, sondern war Aktivist der nationalen Unabhängigkeitsbewegung und starb bereits 1919 in französischer Haft. Der Sohn trat in dessen Fußstapfen, verblieb jedoch nicht bei rein patriotischen Ansichten, sondern kam in Kontakt mit marxistischen Gruppen: Giáp wurde 1925 Mitglied der „Revolutionären Partei für eine Neues Vietnam“, die später in der Kommunistischen Partei aufgehen sollte. So kam er in dieser Zeit mit den Behörden in Konflikt, wurde mehrmals der Schule verwiesen und verhaftet, weswegen er 13 Monate im Gefängnis verbrachte. Danach nahm er ein Studium in Hanoi auf und 1938 eine Stelle als Geschichtelehrer an. In der Zwischenzeit setzte er jedoch seine politischen Aktivitäten fort, ab 1931 war er Mitglied der Kommunistischen Partei Indochinas.

Widerstand gegen Japan, Sieg über Frankreich

Nach der Illegalisierung der Partei ging Giáp 1940 nach China, wo er zu einem wichtigen Mitarbeiter von Hồ Chí Minhwurde. Im selben Jahr billigte das französische Vichy-Regime die Okkupation Indochinas durch Japan, als Reaktion wurde die „Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“ (Việt Minh) gebildet, deren politische Führung Hồ Chí Minhübernahm, während Giáp ab 1941 mit der militärischen Leitung beauftragt war – die nötigen Kenntnisse hatte er sich durch das Studium der Kämpfe der chinesischen Kommunisten angeeignet. Er kehrte nach Vietnam zurück und organisierte den militärischen Arm des Việt Minh, woraus 1944 die Vietnamesische Befreiungsarmee hervorging. Giáp fungierte als deren Kommandant und organisierte den Partisanenkampf gegen die japanischen Besatzer. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Gründung der Demokratischen Republik Vietnam wurde er 1945 Innenminister, seit demselben Jahr war er Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und deren Leiter der Militärkommission. 1946 wurde er Verteidigungsminister. Als solcher widmete er sich nun dem Kampf gegen die mit US-Hilfe zurückgekehrte französische Kolonialmacht. Als brillanter Stratege war Giáp dafür verantwortlich, dass ein wirksamer Guerillakrieg entwickelt wurde, mit dem Höhepunkt des Sieges in der Schlacht von Điện Biên Phủ, als 1954 die waffentechnisch überlegen Franzosen niedergerungen und schließlich aus dem Land vertrieben wurden.

Triumph über den US-Imperialismus

Doch der Kampf für die Freiheit des Landes musste abermals fortgesetzt werden: Es kam die Teilung Indochinas und Vietnams, Giáp wurde 1955 stellvertretender Ministerpräsident im Norden, blieb aber auch Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Volksarmee, deren Luft- und Seestreitkräfte aufgebaut wurden – mit Unterstützung sowohl der UdSSR als auch der Volksrepublik China. Angesichts der US-gestützten Diktatur im Süden kam es dort 1960 zur Gründung der „Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams“ (NLF, „Vietcong“) und zum Bürgerkrieg. Als die NLF immer größere Erfolge vorzuweisen hatte, entschied sich US-Präsident John F. Kennedy für ein Eingreifen: Es gab erste Bombardements der US Air Force von Dörfern, die von der NLF befreit worden waren. Die Eskalation folge im Sommer 1964, als die USA den „Tonkin-Zwischenfall“ inszenierten, um einen offiziellen Kriegseintritt zu rechtfertigen (eine förmliche Kriegserklärung gab es jedoch nie). Giáp befehligte die nordvietnamesische Volksarmee gegen die amerikanischen Aggressoren und indirekt die NLF im Süden. Trotz abermals überlegener Waffentechnologie des Imperialismus, trotz chemischer Waffen und unzähliger weiterer Kriegsverbrechen der USA wurde der Widerstand der Vietnamesen nicht gebrochen – im Gegenteil: 1968 organisierte Giáp die Tết-Offensive, die einen politischen Wendepunkt im Vietnamkrieg darstellte. Die USA und ihre südvietnamesischen Kollaborateure gerieten mancherorts in Bedrängnis, auch an der Heimatfront hatte die Regierung in Washington immer mehr mit einer engagierten Friedensbewegung zu tun. International gab es seitens kommunistischer und antiimperialistischer Organisationen vielerlei Solidaritätskampagnen für Vietnam. Der Rest ist bekannt: Die US-Armee erlitt eine blamable Niederlage und musste sich aus Vietnam zurückziehen. Im Jahr 1976 kam es zur Wiedervereinigung des Nordens und Südens sowie zur Schaffung der einheitlichen Sozialistischen Republik Vietnam.

Tod und Vermächtnis

In dieser wurde General Giáp abermals Verteidigungsminister und blieb dies bis 1980. Dem Politbüro der Kommunistischen Partei Vietnams gehörte er bis 1982 an, dem Zentralkomitee noch bis 1991 – im selben Jahr gab er auch seine letzte Regierungsfunktion als stellvertretender Ministerpräsident auf und ging in den verdienten Ruhestand. Ab 2009 lebte er in einem Militärkrankenhaus in Hanoi, wo er 2011 auch seinen 100. Geburtstag beging. Am 4. Oktober 2013 starb Võ Nguyên Giáp im Alter von 102 Jahren. Mit einem großen Staatsbegräbnis wurde er als einer der größten Helden, als maßgeblicher Stratege und General der vietnamesischen Unabhängigkeits- und Revolutionskriege geehrt, der drei imperialistische Großmächte besiegt und vertrieben hatte. Sein Vermächtnis sind die unabhängige Sozialistische Republik Vietnam, bedeutende Schriften über den Partisanenkampf und Militärstrategien sowie das leuchtende Beispiel, das er und das vietnamesische Volk für antikoloniale, antiimperialistische und revolutionäre Freiheitskämpfe auf der ganzen Welt gaben.

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