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Volksbefreiungsarmee schlägt James Bond

Mit dem Koreakrieg-Epos „Schlacht von Changjin“ schuf China den weltweit erfolgreichsten Film des Jahres 2021. Dagegen stinken aktuelle Hollywood-Produktionen klar ab.

900 Millionen Dollar spielte die filmische Interpretation der Schlacht um den Changjin-Stausee (Ende 1950 vertrieben hunderttausende Freiwillige der chinesischen Volksbefreiungsarmee bei Eiseskälte die US-amerikanischen Invasoren aus dem Norden der koreanischen Halbinsel) bisher global ein. Das ist mehr als jeder andere Film in diesem Jahr. Dennoch hört und sieht man hierzulande nichts davon. Einerseits hat das seine Logik, da der Streifen fast ausschließlich in China gezeigt wird; andererseits beschäftigen sich die heimischen Feuilletons ja durchaus gerne mit schwer zugänglichen Filmen aus dem Ausland. Wenn diese halt dem gewünschten Narrativ entsprechen.

Die „Schlacht von Changjin“ schert sich freilich nicht darum, irgendwelchen westlichen Kritikern zu gefallen; Ziel ist die Würdigung eines historisch bedeutsamen Ereignisses passend zum 100-jährigsten Gründungsjahr der Kommunistischen Partei Chinas. Entsprechend gewaltig die Dimensionen des Films: 70.000 Komparsen wirkten an der Entstehung mit, der Dreh dauerte 200 Tage und mit Wu Jing und Jackson Yee sind zwei chinesische Top-Schauspieler beteiligt. Wie die „Global Times“ berichtet, soll das Epos auch dazu beitragen, die Vorgaben des 14. Fünfjahresplans in Bezug auf Filmqualität, gemessen über die Bewertungsplattform Maoyan, einzuhalten.

Erwartbare Propagandavorwürfe

Westliche Vorwürfe, die „Schlacht von Changjin“ sei ein Propagandawerk, kommen nicht überraschend. Muss doch jede Darstellung, die von der völlig verblödeten, US-gefälligen Interpretation des Kalten Kriegs abweicht, böse Hintergedanken haben. Und ein bisschen verständlich ist der Schock in Washington und Hollywood schon, wenn das Plakat zum erfolgreichsten Film des Jahres sechs lachende Chinesen mit Maschinengewehren auf einem erbeuteten amerikanischen Panzer zeigt.

Doch bei allem filmischen Pathos geht der selbstbewusste Aufstieg einer ausdrucksstarken, technisch und künstlerisch anspruchsvollen, chinesischen Massenkultur (samt Abkehr von US-Produktionen, die verzweifelt und erfolglos um Zuseher in der Volksrepublik ringen) völlig friedlich und ohne jeden Zwang vor sich. Der Erfolg von „Schlacht von Changjin“ ist nicht verordnet, er zeigt einfach das enorme Interesse an einer gut gemachten Darstellung des historischen Ringens der Volksbefreiungsarmee um den Sozialismus und gegen den Imperialismus.

Dass mit dem spektakulären Koreakrieg-Epos die x‑te, phantasielose Aufwärmung des Kalte-Krieg-Relikts James Bond („Keine Zeit zu sterben“) deutlich in die Schranken gewiesen wurde, ist natürlich von besonderer Eleganz. Wobei zur Ehrenrettung Bonds erwähnt werden sollte, dass sich sein „Erfinder“ Ian Flemming als historisches Vorbild beim heldenhaften kommunistischen Agenten Richard Sorge bedienen musste. Auch diesbezüglich hatte der kapitalistische Westen letztlich nicht Interessantes zu bieten.

Quellen: China Daily, Boxofficemojo

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