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IOC im „Kalten Krieg“ gegen die DVR Korea

Das Internationale Olympische Komitee verhängt Sanktionen gegen Nordkorea. Die Begründung ist absurd, der Hintergrund folgt den politischen Interessen des Imperialismus.

Lausanne/Pjöngjang. Für die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK), landläufig geographisch korrekt als „Nordkorea“ bezeichnet, haben die heurigen Olympischen Sommerspiele von Tokio ein unerfreuliches Nachspiel – und dies, obwohl gar keine nordkoreanischen Athletinnen und Athleten in Japan zugegen waren. Doch genau dies macht die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nun dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) der DVRK zum Vorwurf: Die Nichtteilnahme, so das IOC, verstoße gegen die Olympische Charta, weswegen man Sanktionen gegen das NOK des Landes verhängt habe.

Verzicht wegen Corona-Pandemie

Dazu muss man wissen: Das nordkoreanische NOK hatte im März dieses Jahres beschlossen, aus Sicherheitsgründen keine Delegation zu den Olympischen Spielen nach Tokio zu entsenden. Hintergrund war die globale Corona-Pandemie: Das NOK verzichtete auf die Teilnahme, um „unsere Athleten vor der weltweiten öffentlichen Gesundheitskrise [zu] schützen, die durch CoViD-19 verursacht worden ist“, wie es in einer entsprechenden Erklärung hieß. Es mag jedem IOC-Bürokraten freistehen, diese gesundheitspolitische Vorsichtsmaßnahme persönlich als übertrieben anzusehen, doch ist es eine Tatsache, dass es in der Olympischen „Blase“ in Tokio hunderte CoV-Infektionen gab, wovon auch einige Aktive betroffen waren. Insofern möchte man meinen, dass es durchaus einem NOK zustehen müsste, zu der Ansicht zu gelangen, seine Sportlerinnen und Sportler einer solchen Gefahr nicht aussetzen zu wollen, was dann auch vom IOC zu respektieren wäre.

Der IOC-Apparat im schweizerischen Lausanne sieht dies anders: Das NOK der DVRK wäre ungeachtet der Pandemie zwingend verpflichtet gewesen, an den Spielen in Japan teilzunehmen. Tatsächlich steht in Kapitel 4, Abschnitt 27, Artikel 3 der IOC-Charta: „Jedes NOK ist verpflichtet, an den Spielen der Olympiade teilzunehmen, indem Athleten entsendet werden.“ Daher erfolgte nun eine Bestrafung für diesen „Verstoß“ aus Pjöngjang: Das NOK wird bis zum Jahresende 2022 aus der internationalen Olympischen Gemeinschaft ausgeschlossen, Fördermittel aus dem IOC-Budget wurden gestrichen. Eine Teilnahme nordkoreanischer Athletinnen und Athleten an den nächsten Winterspielen, die im kommenden Februar in Peking durchgeführt werden, wäre gegebenenfalls nur mit einer Sondergenehmigung und unter „neutraler Flagge“ möglich, worüber aber noch explizit zu entscheiden ist.

Politische Entscheidung im Dienst des Imperialismus

Offensichtlich handelt es sich seitens des IOC um ein überaus lächerliches Theater, das politisch motiviert ist. Faktisch reiht man sich ein in den „Kalten Krieg“ des US-Imperialismus, seiner ostasiatischen Handlanger und der EU gegen die DVRK, der das missliebige Land unter Druck setzen soll. Die finanzielle Bestrafung ist eine Ergänzung zu sonstigen „Wirtschaftssanktionen“, aber auch zur permanenten militärischen Bedrohung, die zur See und von südkoreanischem Boden aus erfolgt. Der gefundene Vorwand könnte dümmer, ignoranter und heuchlerischer nicht sein: Wie kann das IOC allen Ernstes verlangen, dass einer Teilnahmeverpflichtung nachgekommen wird, wenn eine globale Pandemie mit hinlänglich bekannten Risiken herrscht? Dass es einen substanziellen Grund für die nordkoreanische Absage gab, kann man wohl nicht absprechen. Dass sich das „unpolitische“ IOC so zum Instrument des Imperialismus macht, widerspricht objektiv jedem wahrhaft Olympischen Gedanken.

Und natürlich wird mit zweierlei Maß gemessen: Als die USA und ihre engsten Verbündeten, darunter die BRD, 1980 die Olympischen Sommerspiele von Moskau aus rein politischen Gründen boykottierten, gab es freilich keine Konsequenzen. Bei diesen Wettkämpfen in der UdSSR holte die DVRK übrigens fünf Medaillen (3xS, 2xB). Insgesamt steht das nordkoreanische NOK bei Olympischen Sommerspielen bei einer Bilanz von immerhin 54 Medaillen (16xG, 16xS, 22xB), obwohl man erst seit 1972 (München) teilnimmt. Dies bedeutet Rang 39 im ewigen Medaillenspiegel – direkt hinter Österreich.

Quelle: Der Standard

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