HomeFeuilletonSportJudoka Borchashvili holt zweite österreichische Olympiamedaille

Judoka Borchashvili holt zweite österreichische Olympiamedaille

Für Österreich scheinen die Sommerspiele 2020/21 ein Event der Überraschungsmedaillen zu werden: Im Judo sicherte sich Shamil Borchashvili den dritten Platz im Halbmittelgewicht.

Tokio. Am gestrigen Dienstag konnte die österreichische Delegation den zweiten Medaillengewinn bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio verbuchen. Nach dem Sensationssieg von Radrennfahrerin Anna Kiesenhofer kam auch die nun errungene Bronzemedaille eher überraschend: Der oberösterreichische Judokämpfer Shamil Borchashvili legte in der Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm einen bärenstarken Wettkampf hin, der mit dem Triumph im Duell um Platz drei endete.

Zunächst besiegte Borchashvili in den ersten drei Runden durchwegs Gegner, die in der Weltrangliste vor ihm liegen – doch der Außenseiter aus Wels gewann jeweils mit Waza-Ari, wenngleich erst in der Verlängerung. Im Semifinale musste er eine Niederlage hinnehmen, er unterlag dem späteren Silbermedaillengewinner Saeid Mollaei, der für die Mongolei auf der Matte stand. Daher kam es für Borchashvili zum „kleinen Finale“, in dem es gegen den Deutschen Dominic Ressel um Bronze ging. Eine vermeintliche Ippon-Wertung nach wenigen Sekunden zugunsten des Österreichers wurde nach Videoüberprüfung noch zurückgenommen, doch dann fixierte Borchashvili seinen Gegner mittels Haltegriff und brachte dies über die Zeit – Ressel konnte sich nicht mehr befreien und die Bronzemedaille gebührte Borchashvili. Zum Olympiasieger kürte sich kurz darauf der Japaner Takanori Nagase mit dem Finalsieg über Borchashvili-Bezwinger Mollaei. 

Vom tschetschenischen Flüchtlingskind zum Olympiadritten

Der dritte Platz bei den Olympischen Spielen – und dies auch noch im legendären Tokioter Budōkan – bedeutet natürlich das absolute Glanzlicht in der Karriere des 26-jährigen Borchashvili. Zuvor hatte er bei Welt- und Europameisterschaften maximal das Achtelfinale erreicht, sein größter Erfolg war bislang der zweite Platz beim Grand-Slam-Turnier von Tiflis im März laufenden Jahres. Apropos Tiflis: Der georgische Nachname des nunmehrigen Olympiadritten verweist auf einen kaukasischen Flüchtlingshintergrund. Borchashvili floh einst im Kindesalter mit seinen Eltern vor den Kriegshandlungen im russischen Tschetschenien nach Österreich, in Wels fand die Familie eine neue Heimat – und der kleine Shamil, wie auch seine beiden Brüder, den Weg zum Judo. Seit 2017 ist er österreichischer Staatsbürger.

Für den Österreichischen Judoverband, der in Tokio auch das Karriereende der großartigen Sabrina Filzmoser beging, war die Bronzene von Borchashvili die erste Olympiamedaille seit der Silbernen von Ludwig Paischer in Peking 2008. Die größten olympischen Erfolge der österreichischen Judogeschichte markieren die beiden Goldmedaillen von Peter Seisenbacher 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul.

Quelle: ORF

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