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Neuer FAK-Investor mit dubiosem Background

Geldwäschestrafen, Mord- und Betrugsermittlungen – auch das gehört zum neuen Austria Wien-Financier „Insignia Group“ aus Georgien.

Wien. Der FK Austria Wien hat’s nicht leicht. Bereits eine Runde vor Ende des Grunddurchgangs steht fest, dass das namentlich prominente Fußballteam vom Verteilerkreis heuer abermals die Meistergruppe verpasst und in die Abstiegsrunde muss. Zur sportlichen Bankrotterklärung gesellte sich in den vergangenen Monaten noch ein finanzieller Scherbenhaufen: Der Ausbau des Horr-Platzes zu einem richtigen Stadion war nicht billig, Europacup-Einnahmen gab’s ja keine – und dann auch noch die Pandemieausfälle. Kurz gesagt: Zu Buche stand 2020 ein Jahresverlust von 18 Millionen Euro, womit der Schuldenstand des FAK auf über 70 Millionen Euro anstieg. Damit war auch klar, dass es dringend einen potenten Geldgeber brauchte, andernfalls stünde die Bundesligalizenz oder gar der Spielbetrieb zur Disposition. Dieser Investor ist nun gefunden, doch die Gefühlslage bleibt irritiert, denn die georgische „Insignia Group“ lässt doch ein paar Fragen offen.

Das Unternehmen mit Standorten in London, Moskau, Bratislava, Malta und Dubai hat ein eigentümliches Geschäftsfeld. Insignia ist ein „Payment Service“ für die oberste Upper Class: Man bietet Kreditkarten für Superreiche sowie „Luxus-Lifestyle-Beratung“ an – nicht unbedingt etwas, das man mit Wien-Favoriten in Verbindung bringen würde oder mit dem klassischen Fußballfan. 54,4 Millionen US-Dollar Umsatz stehen im Geschäftsbericht von 2019, bei gerade mal 1.500 Kunden, woran man schon ablesen kann, für welch elitäre Minderheit dieses Finanz- und Dienstleistungsunternehmen tätig ist. Dass in solchen „hochexklusiven“ Kreisen – GUS-Oligarchie, Ölprinzen & Co. – nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, ist hinlänglich bekannt, und tatsächlich: Vor wenigen Monaten wurde Insignia von einem maltesischen Gericht zu einer Geldstrafe von rund 373.000 Dollar verurteilt, wegen mehreren Verstößen gegen die Anti-Geldwäsche-Bestimmungen Maltas (die eh eher rudimentär sind). 

Dann verwundert es auch nicht mehr, dass man sich bei der Insignia Group mit einschlägigen Namen im Aufsichtsrat „schmückt“: Hier gibt es etwa den ehemaligen maltesischen Wirtschaftsminister Christian Cardona – der Sozialdemokrat musste im November 2019 zurücktreten, als seine mutmaßliche Verstrickung in die Ermordung der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2017 medial thematisiert wurde. Das ist auch nicht die einzige polizeiliche und juristische Ermittlung, die gegen Cardona ansteht: Gegen ihn und zwei andere frühere sozialdemokratische Minister läuft eine Untersuchung wegen ihrer womöglich ungesetzlichen, aber lukrativen Rolle bei einer großen Krankenhausprivatisierung in Malta.

Ebenfalls im Insignia-Aufsichtsrat sowie zusätzlich in Kontrollgremium der Tochterfirma Insignia Card ist offenbar auch eine Österreicherin, nämlich Barbara Kappel, ehemalige Wiener Landtags- und EU-Abgeordnete der FPÖ. Diese Dame soll nicht nur 2011 in Osteuropa in ein Pyramidenspiel involviert gewesen sein, sondern die österreichische Justiz ermittelt gegen Kappel auch wegen schweren Betrugs und Verleumdung im Zuge einer mutmaßlichen Mandatskaufaffäre um HC Strache. Außerdem gibt es Vorwürfe um Postenschacher in staatsnahen Betrieben bzw. Holdings, wo Kappel nach ihrem Ausscheiden aus dem EU-Parlament von der FPÖ „ruhiggestellt“ werden sollte. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Dass Markus Kraetschmer, leidgeprüfter Vorstand der Austria Wien-AG, trotzdem meint, man habe „keinen Grund, an der Seriosität der Insignia zu zweifeln“, klingt ein wenig nach Verzweiflung. Der Verein braucht dringend Geld, was kurzfristig nur über einen millionenschweren Sponsor zu gehen scheint. Mit solch einem „Konzept“ – nämlich seinerzeit mit Frank Stronach – hat die Austria freilich schon einmal einen Bauchfleck hingelegt. Im Falle der Insignia stellt sich aber auch noch die ernsthafte Frage, was der Luxus-Finanzdienstleister mit dubiosen Verbindungen und Geldwäschestrafen beim Klub aus Favoriten wirklich will. Findet der georgische Oligarch Michael Surguladze kein besseres Spielzeug als einen maroden österreichischen Fußballverein? Man muss kein traditionsverbundener FAK-Fan sein, um bei der Sache ein ganz mieses Gefühl zu haben…

Quelle: Trend

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