HomeFeuilletonSportÖsterreich beendet Nordische Ski-Weltcupsaison mit zwei Kristallkugeln

Österreich beendet Nordische Ski-Weltcupsaison mit zwei Kristallkugeln

Auch in sportlicher Hinsicht ist der Winter nun beendet: Den Saisonabschluss bildete schon traditionell die Flugshow von Planica, wo die Skispringer Weiten über 240 Meter erreichen.

Kranjska Gora. Eine Woche nach dem Alpinen endete nun auch der Nordische Skiweltcup der Saison 2021/22. Den Schlusspunkt setzten am Sonntag die Skispringer auf der spektakulären Flugschanze im slowenischen Planica. Die große Kristallkugel für den Sieg im Gesamtweltcup sicherte sich der Japaner Ryōyū Kobayashi vor Karl Geiger (BRD) und dem letzten Tagessieger in Planica, Marius Lindvik aus Norwegen. Aufgrund mangelnder Konstanz spielten die Österreicher in dieser Wertung nur eine Nebenrolle, als bester ÖSV-Springer landete Stefan Kraft auf Rang 5, der immerhin vier Saisonsiege verbuchen konnte. Premierensiege gab es jeweils für Jan Hörl und Daniel Huber, die in der WC-Gesamtwertung 9. und 11. wurden.

ÖSV-Springer gewinnen Nationencup

In Summe sammelten die Österreicher jedoch die meisten Punkte – auch dank drei Siegen in den Teambewerben –, wodurch der ÖSV erstmals seit acht Jahren wieder den Nationencup gewinnen konnte. Am Ende brachte man einen knappen Vorsprung vor Slowenien ins Ziel, Dritter wurde Deutschland. Zu den „Entdeckungen“ des Winters 2021/22 gehört aus österreichischer Sicht neben Youngster Daniel Tschofenig der bereits 36-jährige Manuel Fettner, der heuer seine beste Saison sprang und bei den Olympischen Spielen in Peking Silber auf der Normalschanze gewann. Und auch in China waren die ÖSV-Springer als Mannschaft nicht zu schlagen und holten Gold im Teambewerb. Hinzu kommt noch eine Bronzemedaille für Kraft bei der Skiflugweltmeisterschaft in Vikersund, wo der vierte Platz im Team jedoch eine der Saisonenttäuschungen markierte – neben der unbefriedigenden Vierschanzentournee.

Gesamtweltcupsieg für Skispringerin Kramer

Bei den Frauen kürte sich die Salzburgerin Marita Kramer erstmals zur Gesamtweltcupsiegerin, indem sie die starken Sloweninnen Nika Križnar und Urša Bogataj auf Distanz hielt – ein Erfolg, der angesichts von sieben Saisonsiegen mehr als verdient war. Die übrigen Österreicherinnen konnten nicht ganz mithalten: Lisa Eder (9.), Jacqueline Seifriedsberger (10.), Daniela Iraschko-Stolz (14.), Eva Pinkelnig (15.) und Chiara Kreuzer (geb. Hölzl, 18.) verpassten es, an die sensationellen Teamerfolge der vorigen Saison anzuschließen, womit im Nationencup „nur“ der zweite Platz herausschaute. Es gewann Slowenien, am dritten Rang landete Japan. Die Olympischen Spiele erbrachten für die ÖSV-Springerinnen leider eine Nullnummer, was aber auch dem Corona-bedingten Ausfall Kramers geschuldet war. Das Teamspringen der Frauen ist noch nicht olympisch, im Mixed-Team sorgten fragwürdige Massendisqualifikationen für ein bizarres Ergebnis.

Kombinierer Lamparter ist Riiber auf den Fersen

Im Bereich der Nordischen Kombination kämpfte der Tiroler Johannes Lamparter bis zu den letzten Metern des Schlusswettkampf um den Gesamtweltcup, doch schlussendlich musste er dem beeindruckenden Norweger Jarl Magnus Riiber den Vortritt lassen. Drei Saisonsiege sowie der zweite Platz in der Gesamtwertung (vor Vinzenz Geiger, BRD) stellen für den 20-Jährigen Lamparter dennoch einen beachtlichen Erfolg dar. Mario Seidl wurde 10., Franz-Josef Rehrl nach Verletzungspause immerhin noch 17., Lukas Greiderer 18. In Summe bedeutete dies Rang 3 in der Nationenwertung hinter Norwegen und Deutschland. Bei den Olympischen Spielen sorgte Greiderer mit Bronze im Einzel für die einzige Medaille, der vierte Platz im Teambewerb muss als klarer Misserfolg eingeordnet werden. – Die Frauen konnte heuer erstmals eine umfassendere Weltcupsaison absolvieren, wobei Lisa Hirner einen recht anständigen 7. Platz in der Gesamtwertung belegte. Eine Reise nach China gab es nicht, denn die Nordische Kombination der Frauen ist noch nicht olympisch.

Langläuferin Stadlober mit erster Olympiamedaille

Im Langlauf agiert Teresa Stadlober weiterhin als österreichische Einzelkämpferin in der Weltspitze. Sie erreichte wieder gute Rennergebnisse in den Top-10, im Gesamtweltcup wurde sie schließlich aber „nur“ 17. – dies hatte allerdings auch den Mitgrund, dass Stadlober alles der Olympiavorbereitung unterordnete, und zwar mit Erfolg: Im Skiathlon wurde sie mit der Bronzemedaille belohnt. Die übrigen Langläuferinnen und Langläufer des ÖSV landeten in der Weltcupgesamtwertung durchwegs auf Plätzen im dreistelligen Bereich, was man leider doch als noch nicht konkurrenzfähig klassifizieren muss. Bei den Olympischen Spielen gab es jedoch Achtungserfolge, nämlich für Lisa Unterweger (mit Stadlober) im Team-Sprint Klassisch (6. Rang), für Michael Föttinger und Benjamin Moser im gleichen Bewerb bei den Männern (10.) sowie für Mika Vermeulen im Skiathlon (16.) – dies darf man zumindest als Aufwärtstrend betrachten.

Biathletin Hauser setzt sich in Weltspitze fest 

Auch im Biathlon gehen die größeren Erfolge der Saison 2021/22 auf das weibliche Konto: Lisa Hauser führte nach einem Sprintsieg zu Winterbeginn sogar die Gesamtweltcupwertung an, am Ende schaute der bemerkenswerte dritte Rang heraus. Es gewann die überragende Marte Olsbu Röiseland aus Norwegen vor der Schwedin Elvira Öberg. Zweitbeste Österreicherin in der Gesamtwertung wurde Dunja Zdouc als 44., die aber auch eine längere Verletzungspause einlegen musste. – Bei den Männern war die Biathlonsaison nach dem Ausfall von Topathlet Tobias Eberhard mäßig: Der inzwischen 39-jährige „Team-Oldie“ Simon Eder zeigte v.a. aufgrund ausgezeichneter Schießleistungen zum Teil aber gute Ergebnisse, was am Ende Platz 15 im Gesamtweltcup bedeutete. Auch Felix Leitner konnte zwar Teilerfolge markieren, wurde schlussendlich aber nur 29. – Die Olympischen Spiele in Peking waren für das österreichische Biathlonteam keine Reise wert: Nachdem es zuletzt immer olympisches Edelmetall gegeben hatte, musste man China mit leeren Händen verlassen, was aber nur für Hauser eine wirkliche Enttäuschung darstellte. Sie verpasste als Sprint-Vierte Bronze nur um läppische zehn Sekunden.

Unterm Strich stehen für den ÖSV in den Nordischen Skibewerben der Weltcupsaison 2021/22 also 20 einzelne Wettkampf-Siege und zwei Kristallkugeln zu buche, hinzu kommen vier Olympiamedaillen (1xG, 1xS, 2xB) und eine WM-Medaille. Durchaus eine herzeigbare Bilanz, doch es gibt noch Luft nach oben. In der kommenden Saison 2022/23 stehen zudem wieder Großereignisse auf dem Programm, nämlich die Nordische Weltmeisterschaft in Planica (Skispringen, Langlauf, Kombination) sowie die Biathlon-WM im thüringischen Oberhof.

Quelle: ORF

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