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Schach-WM: Nepomnjaschtschi fordert Carlsen

Jan Nepomnjaschtschi gewinnt das WM-Kandidatenturnier in Russland und steht als Gegner von Weltmeister Magnus Carlsen fest.

Jekaterinburg. Der Herausforderer des seit 2013 amtierenden Schachweltmeisters Magnus Carlsen im Herbst dieses Jahres heißt Jan Nepomnjaschtschi. Dies ist das Ergebnis des Kandidatenturniers des Weltschachverbands FIDE, das am gestrigen Dienstag sein Ende fand. Es war eigentlich bereits im März 2020 begonnen, jedoch Corona-bedingt zunächst abgebrochen und erst im April 2021 fortgesetzt worden. Dass sich der Russe Nepomnjaschtschi durchsetzen konnte, ist durchaus eine kleine Überraschung, denn die Favoriten waren eher andere, insbesondere Fabiano Caruana (USA), Weltranglistenzweiter und 2018 im WM-Duell mit Carlsen unterlegen. Auch der Niederländer Anish Giri und der Chinese Ding Liren waren eigentlich höher einzuschätzen, während der Franzose Maxime Vachier-Lagrave, der nur als Ersatzmann ins Turnier gelangt war, im Zuge des Verlaufs zum Mitfavoriten aufstieg.

Doch letztendlich gewann Nepomnjaschtschi das Ausscheidungsevent – nach 14 Runden wies ihn das Schlussklassement mit 8,5 Punkten als Sieger aus, knapp vor Vachier-Lagrave (8) und Giri (7,5). Dadurch qualifizierte er sich für den Kampf um den Weltmeistertitel gegen den Norweger Carlsen. Die Titelentscheidung soll ab 24. November 2021 in Dubai fallen. Der Weltranglistenvierte Nepomnjaschtschi wird dann grundsätzlich abermals Außenseiter sein: Carlsen ist seit zehn Jahren fast durchgängig an der Spitze der Weltrangliste zu finden, hat mit 2.882 Punkten im Mai 2014 die höchste jemals erreichte Elo-Zahl erlangt, und seit er 2013 Viswanathan Anand als Weltmeister entthronen konnte, hat er seinen Titel dreimal (2014, 2016 und 2018) erfolgreich verteidigt. Nichtsdestotrotz darf man sich für November und Dezember dieses Jahres ein spannendes WM-Titelduell in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwarten, denn Nepomnjaschtschi gehört zu den wenigen aktiven Spielern, die gegen Carlsen eine positive Bilanz aufzuweisen haben, und gilt gewissermaßen als dessen „Angstgegner“.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung

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