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Klimawandel führt zu Igelsterben

Die Erderwärmung und andere menschengemachte Gefahren setzten den europäischen Igelpopulationen massiv zu. Im schlimmsten Fall droht ein Aussterben bis Mitte dieses Jahrhunderts.

London/Paris. Die heuer recht früh beginnende erste Hitzewelle sowie die damit verbundene Trockenheit setzen nicht nur vielen Menschen und der Landwirtschaft zu, sondern auch diversen Tieren. Besonders bedroht ist der Igel, dem Klimawandel und Erderwärmung auf unterschiedliche Weise gefährlich werden. Britische Wissenschaftler hegen sogar die Befürchtung, dass der Igel bis zum Jahr 2050 in einigen Teilen Europas ausgestorben sein könnte. Dies gilt selbst für die beiden häufigsten Arten, nämlich den Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) und den Nördlichen Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus).

Ein wesentliches Problem ist die Wasserversorgung: Bei anhaltender Trockenheit wird das Angebot natürlich verknappt, weswegen Igel mitunter weite Wege zurücklegen müssen, was einerseits Erschöpfungszustände und Krankheiten begünstigt. Andererseits sind diese Wege zur Wassersuche potenziell mit tödlichen Gefahren gespickt: Straßenüberquerungen, ungeschützte Routen und Wanderungen durch Gärten implizieren die Möglichkeit, Autos, Maschinen, Hunden oder räuberischen Wildtieren zum Opfer zu fallen. Handelt es sich um ein Muttertier, so ist der hilflose Nachwuchs bei ausbleibender Versorgung ebenfalls nicht überlebensfähig. Ähnlich wie mit dem Wasser ist es mit der Nahrung – in trockenen Böden sind Schnecken und Würmer kaum zu finden. Das Insektensterben durch Hitze und Pestizide tut sein Übriges.

Doch nicht nur Dürre, Wasser- und Nahrungsmangel bedrohen die europäischen Igelarten, sondern der Klimawandel greift auch in das Reproduktionsgeschehen ein und bringt es durcheinander: Im Zuge von milderen Wintern verzichten viele Igel auf den Winterschlaf, es kommt früher zur Paarung und der erste Nachwuchs infolgedessen bereits im Jänner auf die Welt. Dies ist insofern gefährlich, als zumindest bis April immer noch mit Kälteeinbrüchen, eventuell sogar mit Frost zu rechnen ist, was Neugeborene oder Jungtiere in aller Regel nur schwer überleben können.

Beim Igelschutz nützt auch persönliches Verhalten von Gartenbesitzern: Naturnahe Gärten, durchlässige Zäune, der Verzicht auf chemische Pestizide, Herbizide und Düngemittel, Vorsicht beim Rasenmähen, das Bereitstellen von Wasser (keine Milch!) sowie Rückzugsorte wie Laubhaufen oder Holzstöße helfen den Igeln beim Überleben. Im Großen ist der Mensch freilich umfassender gefordert: Der Klimawandel, die Zerstörung von tierischen Lebensräumen und die Verknappung von Nahrungsquellen werden durch die rücksichtslose Ausbeutung des Planeten durch die kapitalistische Wirtschaft und Landwirtschaft, durch Verbauung und Verkehrsprojekte befördert. Nur signifikante Änderungen auf dieser Ebene bewahren die europäischen Igelarten vor dem Aussterben.

Quelle: Euronews

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