HomeFeuilletonWissenschaftLeguanzählung: Rosa Drusenkopf stark gefährdet

Leguanzählung: Rosa Drusenkopf stark gefährdet

Nach einer wissenschaftlichen Echseninventur auf der Galápagos-Insel Isabela steht fest: Die Population der erst vor einem Jahrzehnt beschriebenen rosafarbenen Art des Landleguans ist erschreckend klein.

Quito. Eine ecuadorianische Forschungsexpedition im Galápagos-Nationalpark erbrachte für die Leguanart des Rosafarbenen Drusenkopfes (Conolophus marthae) ein ernüchterndes Ergebnis. Die penible Echsenzählung ergab die Tatsache, dass die Population lediglich 211 Tiere umfasst und somit weniger als zuvor geschätzt und erhofft. Zudem scheint es auch an Jungtieren zu mangeln. Angesichts dieser Beobachtungen dürfte das Überleben der seltenen Art, die mit der weitaus zahlreicheren Hauptart des gemeinen Drusenkopfes (Conolophus subcristatus) sowie dem Santa Fé-Drusenkopf (Conolophus pallidus) die Gattung der Galápagos-Landleguane bildet, überaus zweifelhaft sein.

Sollte der Rosafarbene Drusenkopf nun tatsächlich bald aussterben, so wäre seine zoologische Existenz eine kurze gewesen: Die Echse wurde erst im Jahr 2009 beschrieben und als eigene Art anerkannt. Dass nach nur elf Jahren seit der wissenschaftlichen Katalogisierung schon wieder das Verschwinden droht, hat mit dem limitierten Lebensraum zu tun:Conolophus marthae kommt lediglich am Nordhang des Vulkanes Wolf, ganz im Norden der größten Galápagos-Insel Isabela, vor. Dort lebt die Population in einer Höhe von 600 Metern aufwärts, bis zum Rand der Caldera in 1.700 Metern Seehöhe. Das Vorkommen beschränkt sich somit auf ein Gebiet von lediglich 25 Quadratkilometern.

Seit Charles Darwin 1835 mit der HMS Beagle die pazifische Inselgruppe besucht und die Landleguane etwas uncharmant als „hässliche Tiere“ beschrieben und ihnen eine „außerordentlich dümmliche Erscheinung“ attestiert hatte, ging es mit der Gattung steil bergab. Auf einigen der Galápagos-Inseln wurden die Drusenköpfe gänzlich ausgerottet, auf anderen stark dezimiert, was sich erst mit restriktiven Schutzmaßnahmen im 20. Jahrhundert verlangsamte. Insofern war es 2009 eine hübsche Überraschung, dass eine neue Art präsentiert werden konnte – noch dazu im kleidsamen Rosarot. Doch nun sind es häufigere Dürren, Nahrungsknappheit und der eigenwillige Lebensraum auf einem seit 2016 wieder vermehrt aktiven Vulkan, was dem Rosaroten Drusenkopf den finalen Garaus machen könnte.

Quelle: ORF

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