Abfuhr für Selenski in Wien

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Offenbar war der Hauptzweck des Besuchs des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski in Wien, Stimmung gegen Russland und vor allem gegen die fast schon fertiggebaute neue Pipeline „Nord Stream 2“ zu machen. Erfolgreich war er dabei nicht.

Wien. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski hielt sich zu einem Staatsbesuch in Wien auf und versuchte dabei vor allem, Stimmung für die US-amerikanische Erdgas-Lobby zu machen, die ihr schmutziges Fracking-Gas in Europa verkaufen will. Dieser Eindruck entstand, da der ukrainische Präsident sowohl Bundespräsident Alexander Van der Bellen als auch Bundeskanzler Sebastian Kurz vom Abdrehen des Pipelineprojektes „Nord Stream 2“ zu überzeugen versuchte. Herhalten musste wieder einmal die Vergiftung des russischen Rechtsextremisten Alexej Nawalny, die man dem russischen Staat anhängen will, ohne bis jetzt auch nur die Spur eines Beweises dafür vorlegen zu können.

Für ihn gebe es keinen Zusammenhang, meinte Van der Bellen am vergangenen Dienstag bei einer Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Selenski in Wien. Auch wenn der Anschlag nicht „kommentarlos hingenommen werden kann: Ich persönlich sehe aber keinen Zusammenhang zwischen dem Fall Nawalny und ‚Nord Stream 2’“, sagte der österreichische Bundespräsident. Über die Hintergründe des Anschlags auf Nawalny wisse er zu wenig. Die geplante Gasleitung, an deren Finanzierung auch die österreichische OMV beteiligt ist, sei aber ein „kommerzielles Projekt“, so Van der Bellen.

Seit 50 Jahren russisches Gas und gute Erfahrungen

Österreich beziehe seit über 50 Jahren vom russischen Energiekonzern Gazprom Gas und habe „gute Erfahrungen gemacht“, verteidigte Van der Bellen Österreichs Beziehungen zu Russland. Zudem fügte er mit Blick auf das Drängen der USA in dieser Frage hinzu, dass „diese Art von wirtschaftspolitischen Fragen immer noch in Europa entschieden wird und nicht in Washington“.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sieht keinen Bedarf, „Nord Stream 2“ zu stoppen. Die Pipeline sei ein „wirtschaftliches, ein positives Projekt“, sagte Kurz nach einem Gespräch mit Selenski in Wien.

Quelle: orf​.at