HomeInternationalesAfrika und Südamerika bereit für flächendeckende Impfstoffproduktion

Afrika und Südamerika bereit für flächendeckende Impfstoffproduktion

Menschen in den imperialistischen Zentren sind doppelt und dreifach geimpft. Afrika und Südamerika verfügen über die notwendige Infrastruktur zur Herstellung von Impfstoffen, die dafür nötige Aussetzung der Impfstoffpatente wird aber von der EU weiterhin verweigert.

Während sich Österreicherinnen und Österreicher anschicken, ihre Drittimpfung zu erhalten, kämpfen Länder in Afrika und Südamerika noch immer darum, ihre Erstimpfung zu bekommen. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen und das Imperial College London veröffentlichten unlängst einen Bericht, aus dem hervorgeht, dass rund 120 Pharmaunternehmen in Afrika und Lateinamerika sehr wohl und auch rasch in der Lage wären, Milliarden Dosen von mRNA-Impfstoffen zu produzieren, um so eine weltweite Immunisierung gegen das Coronavirus zu bieten. Demnach könnten acht Milliarden Impfstoffdosen im Jahr hergestellt werden, wenn die dahintersteckende Produktionstechnologie, das Know-how, v.a. aber die Impfstoffpatente freigegeben würden. Südafrika und Indien haben schon vor längerem in der Welthandelsorganisation (WTO) eine Ausnahmeregelung vorgeschlagen, um die zur Impfstoffherstellung notwendigen Patente zumindest vorübergehend auszusetzen. Eine solche Maßnahme wird von etwa hundert Staaten unterstützt, darunter überraschenderweise auch die USA. Die EU-Kommission wehrt sich jedoch unter dem Vorwand der Wahrung geistiger Eigentumsrechte verbissen dagegen. Die Produktionskapazitäten würden in den betroffenen Ländern sowieso nicht ausreichen.

Impf-Ungleichbehandlung lohnt sich nicht

Der Großteil der in diesem vergangenen Jahr verabreichten Impfdosen, nämlich 74 Prozent, wurden in Ländern mit hohen und mittleren Einkommen verabreicht. Weniger als ein Prozent wurde in Billiglohnländern verteilt. Im bevölkerungsreichsten Land des afrikanischen Kontinents, Nigeria, sind bislang nur zwei Prozent der Bevölkerung geimpft.

„Der bestehende Mangel an Impfstoffen wird sich durch die Omikron-Variante und die steigende Nachfrage nach Auffrischungsdosen in Ländern mit hohem Einkommen noch verschlimmern“, so der Bericht von Ärzte ohne Grenzen und Imperial College London.

Diese offensichtliche Ungleichheit und Ungleichbehandlung wird auf die Dauer weitere Konsequenzen nach sich ziehen, auch die Variante Omikron war laut neuesten Ergebnissen eine Folge des Impfstoffhortens der nördlichen Staaten. Dies wurde auch in einer gemeinsamen Erklärung 40 kommunistischer und Arbeiterparteien im April des vergangenen Jahres vorausgeahnt:

„Das gefährlichste Szenario im Falle von Infektionskrankheiten ist die Impfung eines sehr begrenzten Teils der Bevölkerung, was die Evolution des Virus erleichtern würde, sodass es höher entwickelte Eigenschaften haben würde. Das ist es, was jetzt gerade passiert.“ 

Einfach und rasch in der Herstellung

Im Gegensatz zu früheren Technologien in der Impfstoffherstellung werden mRna-Impfstoffe durch biochemische und nicht durch biologische Prozesse hergestellt, was zur Folge hat, dass die Impfstoffherstellung „einfacher, vorhersehbarer und leichter auf andere Hersteller übertragbar“ wird, so der Bericht von Ärzte ohne Grenzen und des Imperial Colleges London.

„Es dauert drei bis sieben Tage, um eine Charge des aktiven pharmazeutischen Wirkstoffs für den Impfstoff von BioNtech/Pfizer herzustellen, verglichen mit einem Monat für eine entsprechende Charge des Impfstoffs von AstraZeneca.“

Aufgrund der Beschaffenheit der mRNA-Technologie und des Fehlens zellbiologischer Komponenten können Impfstoffe auch von Unternehmen hergestellt werden, die bisher keine Erfahrung mit Impfstoffen hatten. Die Impfstoffe von Biontech-Pfizer und Moderna werden, abgesehen von einer Produktionsanlage in der VR China, deren Verträge zwischen dem privaten Monopolriesen Fosun und Biontech stipuliert wurden, im Westen hergestellt. Dem Bericht zufolge erfüllt jedes Pharmaunternehmen, das „sterile Injektionsmittel herstellt“, die Mindestkriterien für die Herstellung eines mRNA-Impfstoffs. Die 120 Unternehmen, die in der Lage sind, sterile Injektionspräparate herzustellen, wurden von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und der Weltgesundheitsorganisation für gute Herstellungspraktiken und die Einhaltung der höchsten internationalen Qualitätsstandards zertifiziert. Allerdings müssen Investitionen in die Produktion getätigt werden, bevor man sich an die mRNA-Technologie wagt. Die sichere Lagerung und der Transport der Impfstoffe unter empfohlenen Temperaturen, ein Problem, das häufig als großes Hindernis für den Einsatz von mRNA-Impfstoffen in Afrika und Lateinamerika genannt wurde, ist nun auch bald vom Tisch. Aus dem Bericht geht nämlich hervor, dass Entwicklerinnen und Entwickler bereits jetzt „thermostabilere Formeln erforschen, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir neue mRNA-Impfstoffformeln sehen, die nur eine Standardkühlung erfordern“. So entfällt neben dem Vorwand der fehlenden Produktionskapazitäten auch das oft vorgebrachte Kühlkettenargument. Es ist an der Zeit, dass auch die Frage um Profitmaximierung aus Gesundheitsfragen von globaler Tragweite getilgt wird – dort hat sie nämlich am allerwenigsten zu suchen.

Quelle: Il Fatto Quotidiano/Zeitung der Arbeit/Partei der Arbeit

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