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G7-Treffen: 50 Leute durften protestieren

Genau abgezählte Protestierende, der tägliche Selenskyj und allerlei andere schauspielerische Vorstellungen bot das G7-Treffen in Bayern. Hinter den Kulissen geht es um ganz andere Themen, etwa um die wachsende Bedeutung der BRICS-Staatengemeinschaft.

Elmau. Das Treffen der G7, also jener sieben Staaten, die sich einbilden so etwas wie eine Weltregierung zu sein, ist wie immer streng abgeschottet von der Öffentlichkeit. Zu Beginn des Treffens durfte eine Riesenmeute an Fotografen und Kamerateams in die Nähe der Mächtigen. Diese witzelten ein wenig darüber, dass sie cooler aussehen müssten als der russische Präsident Wladimir Putin und nahmen dabei Bezug auf ein Foto, das Putin während eines Urlaubs mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd zeigt. Mit am Tisch der sieben Herren war auch die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, die sich bemüßigt fühlte, in die flache Männerwitz-Konversation einzusteigen.

Das war es dann auch schon mit der Transparenz. Den Journalistinnen und Journalisten werden wie schon zuvor längst vorfabrizierte Presseerklärungen ausgehändigt, die von der absoluten Mehrzahl dieser in den westlichen Mainstream-Medien auch brav apportiert werden. Unvermeidlich die temporäre Teilnahme des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dessen Forderungen nach mehr Geld und Waffen, den man auf einem Flachbildfernseher, der etwas deplatziert hinter der Runde an einen Pfeiler montiert war, zugeschaltet hatte.

Proteste durften am vergangenen Wochenende nur weit entfernt vom Treffen stattfinden. Eine kleine Schar von handverlesenen und abgezählten 50 Protestierenden wurden von einem Großaufgebot der Polizei allerdings am gestrigen Montag mit Bussen in die Nähe des Schlosses gebracht und durfte dort in einem Graben eine symbolische Protestaktion abhalten, die jedoch, damit das ganze echt wirkt, auch frühzeitig aufgelöst wird. Es wäre in Zukunft vielleicht sinnvoller, wenn die Polizei diese Kundgebung gleich selbst abhält, und Texte verliest, die der Staatsschutz produziert.

So wie keine Proteste stattfinden durften, gab es auch keine Informationen über das Treffen. Bereitwillig wurden in den Medien die neuen Kraftmeier und Forderungen nach Geld und Waffen des ukrainischen Präsidenten wiedergekäut, der tägliche Selenskyj also in einem anderen Format. Die wahren Inhalte blieben jedoch verborgen, und da wird es einiges zu besprechen gegeben haben. Nicht nur erweist sich die Ukraine als Fass ohne Boden, was keine Überraschung ist, denn schon vor Beginn des russischen Einmarsches war dieses Land das korrupteste Europas. Auch werden die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland, galoppierende Energiepreise und das Heraufziehen einer Weltwirtschaftskrise besprochen worden sein. Erosionen des politischen Systems in einigen der Teilnehmerstaaten tun das ihre für die Nervosität des Treffens, die mit Bildern vor der heilen Alpenkulisse überspielt werden soll.

„Ein antiwestlicher Block, so mächtig wie noch nie“

Das in der Vorwoche stattgefundene Treffen der BRICS-Staaten, das aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika besteht, und sich der Zusammenarbeit dieser Staaten vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet widmet, vertritt größere Teile, nämlich 42 Prozent der Weltbevölkerung, und soll in nächster Zeit erweitert werden. Argentinien und der Iran stellten Aufnahmeanträge. In BRICS versammeln sich die größten Schwellenländer der Welt, was manchen in den alten imperialistischen Zentren und ihre Chefschreiberlingen schon großes Kopfzerbrechen bereitet. Hier entstehe ein „antiwestlicher Block, so mächtig wie noch nie“ titelte etwa die deutsche „Welt“.

Ein Blick auf das Bruttoinlandsprodukt der Staaten relativiert ganz massiv die Größe der G7. Die nach den USA zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, nämlich China, sitzt hier natürlich nicht am Tisch. China hat übrigens ein BIP, das größer ist, als das aller anderen sechs Teilnehmerstaaten zusammen. Die G7 vertreten nur 10 Prozent der Weltbevölkerung. Auch das ist wohl ein Grund, warum man einige große Schwellenländer wie Indien, Indonesien und Südafrika einlud, ein wenig am Katzentisch des Treffens zu sitzen und ihnen Investitionen in Infrastruktur in Aussicht stellte, mit denen man die chinesische Seidenstraßen-Initiative abfangen will.

Quellen: tagesschau​.de/welt​.de

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