Start Internationales Im Schweinebetrieb von Waterloo, Iowa

Im Schweinebetrieb von Waterloo, Iowa

In der nordamerikanischen Fleischindustrie wurde ein besonders widerlicher Fall bekannt, in dem die Manager den Arbeitern nicht nur jeglichen CoViD-19-Schutz verweigerten, sondern regelrecht mit deren Leben spielten.

Waterloo (Iowa). Tyson Foods Inc. aus dem US-Bundesstaat Arkansas ist mit einem Jahresumsatz von über 40 Milliarden US-Dollar der weltgrößte Konzern der Fleischindustrie. Seine 140.000 Angestellten töten, zerlegen und verarbeiten jede Woche gut 42 Millionen Hühner, 170.000 Rinder und 350.000 Schweine an mehr als 70 Standorten in Nordamerika. Einer davon befindet sich in Waterloo, Black Hawk County, Iowa. Die Stadt ist mit fast 70.000 Einwohnern doppelt so groß wie das belgische Original, wo Napoleon Bonaparte im Juni 1815 seine letzte Schlacht verlor. Die Tyson-Schweinefleischfabrik von Waterloo ist die größte des Konzerns, 2.800 Angestellte be- und verarbeiten bis zu 30.000 Schweinekörper pro Tag. Es versteht sich quasi von selbst, dass ein solcher Massenbetrieb schon grundsätzlich eine Widerlichkeit ist, für die Tiere sowieso (aber das ist ein anderes Thema), ebenso für die dort tätigen Arbeiter. Und die Fleischindustrie bietet, wie eine ganze Reihe von Fällen zeigt, generell hervorragende Bedingungen für die Ausbreitung von Corona-Infektionen. Der CoViD-19-Cluster im Werk von Waterloo erfasste schließlich mit über 1.000 Personen mehr als ein Drittel der Belegschaft vor Ort, mindestens sechs davon starben an der Krankheit.

Vertuschung statt Sicherheitsvorkehrungen

Einer der Toten war der Arbeiter und Familienvater Isidoro Fernandez, der im April dieses Jahres nach einem schweren CoViD-19-Verlauf verstarb. Die Hinterbliebenen verklagten den Tyson-Konzern wegen mangelnden Sicherheitsvorkehrungen und der bewussten Inkaufnahme von Infektionen im Werk von Waterloo. Im Zuge der Einvernahmen für den Prozess kamen tatsächlich verstörende Details zutage: Die Arbeiter wurden angehalten, auch bei Krankheitssymptomen am Arbeitsplatz zu erscheinen, wo sie dicht gedrängt nebeneinander tätig sind. Testungen wurden offenbar verhindert und Infektionen vertuscht. Schließlich war den Spitzenmanagern die Sache aber doch nicht mehr geheuer: Sie verteilten ihre Aufgaben auf mittlere Verwaltungsangestellte und betraten den Betrieb selbst nicht mehr. Als Tony Thompson, der Sherriff von Black Hawk County, das Tyson-Werk von Waterloo besuchte und kontrollierte, war er schockiert über die unfassbaren Arbeitsbedingungen, wie er in einem Bericht zu Protokoll gab. Zu einer Schließung kam es trotzdem nicht, denn das Tyson-Management lobbyierte dagegen erfolgreich bei Kim Reynolds, der republikanischen Gouverneurin von Iowa.

Manager wetten auf Krankheitsfälle

Damit war der Gipfel der Schweinereien aber noch nicht erreicht: Wie nun bekannt wurde, haben die Manager des Werks von Waterloo untereinander Wetten abgeschlossen, wie viele Arbeiter wohl an CoViD-19 erkranken würden. Sie zahlten Geldbeträge in einen Topf ein und derjenige, der mit seiner Schätzung am nächsten an die tatsächliche Zahl kam, erhielt den gesamten Pot. Nicht dass es schon schlimm genug wäre, dass jeglicher Schutz der Arbeiter verabsäumt, ja sogar hintertrieben wurde, man machte aus den steigenden Infektionsfällen sogar ein Tippspiel. Mit diesem Sittenbild kommt nochmals die ganze Menschenverachtung des Kapitals und seiner Lakaien zum Ausdruck, für die ihre Angestellten nicht nur einfach „menschliche Ressourcen“ sind, sondern deren Gesundheit sogar zum Wettgegenstand zum Zwecke des Zeitvertreibs und des finanziellen Gewinns wird. Es bleibt einerseits zu hoffen, dass die handelnden Manager für die Missachtung der Schutzmaßnahmen und für das Wettspiel zur Verantwortung gezogen werden. Im Großen zeigt sich andererseits aber auch an diesem Beispiel, dass der Kapitalismus eben ein Schweinesystem auf dem Rücken der Arbeiterklasse ist, deren Leben nichts wert sind – zumindest nicht mehr als der abzuschöpfende Mehrwert, und nicht mehr als ein Wetteinsatz. Es wird Zeit, dass das Kapital sein finales Waterloo erlebt. 

Quelle: Iowa Capital Dispatch

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