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L’Est Republicain von Demonstranten gestürmt

In Nordfrankreich eskalierte eine Demonstration gegen Beschränkungen der Regierung. Die aufgebrachte Menge war unzufrieden mit einer Regionalzeitung, der Stadtbibliothek und einer Krankenversicherung und ließ dort ihren Frust aus, während die Polizei sie gewähren ließ.

Belfort/Frankreich. In der ostfranzösischen Stadt Belfort kam es am vergangenen Samstag zu höchst sonderbaren Randalen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Demonstration gegen die Beschränkungspolitik des Landes. Solche Demonstrationen finden seit mehreren Monaten in Frankreich, wie auch andernorts, jeden Samstag statt, jedoch mit sukzessive sinkenden Teilnehmerzahlen. Gegen die Auflagen der Regierung demonstrierten an diesem Wochenende insgesamt etwa 29.000 Personen, d.h. viel weniger als noch bei den ersten Kundgebungen im Sommer.

L’Est Republicain, Stadtbibliothek und Krankenversicherung im Visier

Diese Demonstration verlief anders als die meisten vorherigen. Ungefähr 100 Demoteilnehmer stürmten im Verlauf des Demonstrationszugs den dortigen Sitz der konservativ ausgerichteten Zeitung L’Est Republicain, die beschuldigt wurde, Fake News zu verbreiten. Offenbar drang die aufgebrachte Menge in den Eingangsbereich und versuchte sich dann Einlass in die Redaktionsräumlichkeiten zu verschaffen. Die betroffene Regionalzeitung berichtete, dass sich die Randalierer zwar mit dem ganzen Körper gegen die Türen geworfen hätten, in die Büroräume aber nicht hineingelangt wären. Dafür verwüsteten sie den Eingangsbereich, rissen besondere, eingerahmte Zeitungsartikel von der Wand und bewarfen den Bereich mit wohl zu diesem Zweck mitgebrachten Eiern. Die dortige Präfektur bestätigte den Vorfall in einer Mitteilung und teilte außerdem mit, dass von Anwohnern Anzeigen erstattet wurden. Jean-Marie Girier, Präfekt von Belfort, gab weiter zu Protokoll, dass die Justiz eingeschaltet worden sei und Konsequenzen für weitere Corona-Demos gezogen werden würden.

Tatsächlich kritisierte L’Est Republicain aber auch die am Tatort anwesenden Polizeikräfte, die ob ihrer geringen Zahl bei den Ausschreitungen nicht einschritten und nur zugesehen hätten. Nachdem die Randalierer mit ihrem Werk mehr oder weniger fertig waren, gingen sie auf die Stadtbibliothek los. Während die aufgebrachte Menge für das Stürmen des Zeitungsbüros zumindest ein Motiv hatte, scheint das Randalieren in der öffentlichen Stadtbibliothek, einer Stätte des für alle Menschen zugänglichen Wissens, selbst für die Logik von Coronaleugnern abstrus. Danach wurde eine lokale Krankenversicherung für die durchaus problematische Handhabung der Regierung mit dem Coronavirus zur Rechenschaft gezogen. Es entsteht folglich zwangsläufig der Eindruck, dass sich die Demonstrationen von Coronaleugnern im Grunde gegen Presse, öffentliche Bildungsstätten und öffentliche Krankenversicherung richten. Dass die Polizei nicht eingegriffen sowie auch keine Verstärkung angefordert hat, bezeugt indes abermals, wie ungleich sich die Herangehensweise der Polizei gegenüber rechten und linken Demonstrationen ausnimmt.

Quelle: 20 Minutes/ORF

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