HomeInternationalesMassensterben in chilenischen Lachsfarmen

Massensterben in chilenischen Lachsfarmen

Die industrielle Fischproduktion im Südostpazifik schaufelt sich ihr eigenes, nasses Grab – ihre Methoden haben aber nicht nur für die Wirtschaft verheerende Konsequenzen, sondern auch für Flora, Fauna und Mensch.

Valparaíso. Nach der „roten Flut“ von 2016 droht in den Lachsfarmen an der südchilenischen Küste abermals ein – vorzeitiges – Massensterben unter den Fischen. Die staatliche Fischerei- und Aquakulturbehörde Chiles teilte mit, dass zuletzt wieder rund 4.200 Tonnen Lachs – eine Angabe in einzelnen Lebewesen lohnt sich offenbar nicht – verendet seien. 17 Zuchtbetriebe sind davon betroffen. In solchen künstlichen „Aquakulturen“ werden Fische in Massenhaltung in immensen Netzgehegeanlagen kontrolliert produziert, über Bruterzeugung und Aufzucht bis zur Entnahme und Verwertung. Es ist nicht frei von Ironie, aber eben auch potenziell lehrreich, dass die industrielle Fischproduktion selbst die Ursache für ihre nunmehrigen Ausfälle liefert. Denn der Grund für das Massensterben der Zuchtlachse ist das außergewöhnliche Wachstum von einigen Algenarten – diese verringern während ihrer Blüte signifikant den Sauerstoffgehalt im Wasser, wodurch die Fische ersticken.

Wer hier ein zufälliges Naturphänomen vermutet, ist aber eben auf der falschen Fährte: Das wuchernde und ausufernde Algenwachstum ergibt sich erst aus den Methoden der Lachsfarmen. Diese sorgen für eine gravierende, das biologische Gleichgewicht des marinen Ökosystems zerstörende Verschmutzung der küstennahen Gewässer in den und rund um die Farmen – durch Ammonium, Etoxyquin und Antibiotika, die auf den Farmen großzügig zur Anwendung kommen, sodann aber einfach auch durch den gigantischen Abfall an Fäkalien, durch überschüssiges Fischmehl, das als Futter verwendet wird, sowie in weiterer Folge durch Lachskadaver selbst. Dies begünstigt die Lebens- und Entwicklungsbedingungen der Algen, wodurch sich ein regelrechter Teufelskreis ergibt. 2016, bei der letzten großen Algenblüte, verendeten rund 40.000 Tonnen Lachs auf den chilenischen Farmen.

Die Tatsache, dass die Lachsfarmen ihre „Produktionsprobleme“ selbst verschulden, ist ein zusätzlicher Hinweis auf deren widersinnigen und gefährlichen Charakter. Auch in Küstengewässern ist Massentierhaltung mehr als fragwürdig. Die industrielle Fischproduktion bedroht nicht nur sich selbst, sondern auch die natürliche Flora und Fauna im Meer sowie in den verbundenen Flüssen und an deren Ufern. Darüber hinaus ist es grundsätzlich problematisch, für Menschen produzierte Lebensmittel mit großen Antibiotikamengen und anderen Medikamenten zu belasten, was aber gerade auf den chilenischen Farmen in besonders großem Ausmaß geschieht. Dass Fischfarmen freilich auch den normalen, lokalen Fischern einen Konkurrenzkampf aufzwingen, den diese nicht gewinnen können, wird schon wieder zum Nebenschauplatz. Die industrielle Massenproduktion verspricht natürlich größere Warenmengen, billigere Produktion und mehr Profite.

In Chile hat man die finanziellen Möglichkeiten früh erkannt und massiv auf gigantische „Aquakulturen“ gesetzt: Das Land ist mit einem Weltmarktanteil von 26 Prozent nach Norwegen der zweitgrößte Produzent von Zuchtlachs – wohlgemerkt, obwohl der Lachs im südlichen Pazifik eigentlich gar nicht heimisch wäre. Es ist offensichtlich, dass man die kapitalistisch-industrielle Massentierhaltung nicht nur am Land, sondern auch im Wasser überdenken sollte – um es freundlich zu formulieren.

Quelle: ORF

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