Start Internationales Nigeria: Tausende protestieren gegen Polizeigewalt und Regierungspolitik

Nigeria: Tausende protestieren gegen Polizeigewalt und Regierungspolitik

Nigeria. Nicht nur in den USA, sondern auch in Nigeria gehen tausende Menschen auf die Straße, um gegen die brutale Behandlung durch Polizeibehörden zu demonstrieren. Die aktuellen Proteste entzündeten sich an einem Video, dass die berüchtigte Polizeieinheit SARS dabei zeigt, wie sie einen jungen Nigerianer im Süden des Landes exekutiert. Die Behörden verleugnen die Echtheit des Videos und haben mittlerweile jene Person inhaftiert, die das Video aufgenommen hat.

Seitdem nahmen die Demonstrationen an Intensität zu. Sowohl in der Hauptstadt Lagos, als auch in anderen Städten gingen viele Nigerianerinnen und Nigerianer auf die Straße um die Auflösung der SARS-Einheit zu fordern, aber auch um die Politik der Regierung zu verurteilen. Die SARS (Special Anti-Robbery Squad) sind seit Jahren dafür bekannt, außergerichtliche Inhaftierungen und sogar Hinrichtungen vorzunehmen. Die Spezialeinheit leugnet, natürlich mit Deckung der Regierung, seit Jahren die etlichen nicht gelösten Fälle von Polizeibrutalität. Inzwischen hat jedoch die nigerianische Regierung unter Muhammadu Buhari die Auflösung der Einheit angekündigt – denn mittlerweile bezichtigt sogar eines der Gründungsmitglieder, Fulani Kwajafa, die SARS des „Banditentums“. Für viele der Demonstranten ist das aber bei weitem nicht ausreichend.

Kämpfen, um zu überleben

Viele Nigerianerinnen und Nigerianer wünschen sich weitreichendere Polizeireformen. Dass die Polizei nicht zimperlich mit Menschen umgeht, zeigt sich auch daran, dass bis jetzt 15 Demonstranten von der Polizei getötet worden sind. Die Protestierenden verlangen die sofortige Freilassung aller inhaftierten Demonstranten sowie Aufklärung über alle Opfer von Polizeigewalt. Berichten bürgerlicher Medien zufolge, die mit Demonstranten gesprochen haben, beklagen diese neben der alltäglichen Gewalt durch Polizeibeamte auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit im Land. Trotz hoher Erdölvorkommen, befindet sich ein großer Teil der nigerianischen Bevölkerung in bitterer Armut. Nicht zuletzt, um das Volk zu terrorisieren und kleinzuhalten, wurden solche Spezialeinheiten geschaffen. Auch wenn diese spontanten Revolten in Nigeria wahrscheinlich wieder abebben werden, zeigen sie, dass auf lange Sicht diese Taktik des bürgerlichen Staates nicht erfolgreich sein wird.

Quelle: AJ

- Advertisment -

MEIST GELESEN

Größter Streik der Weltgeschichte

Im 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Indien sind gestern, Donnerstag, über 250 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter in den Streik getreten. Auch Landarbeiterinnen und Landarbeiter, Bauern…

Schule in Zeiten von Corona

Der Autor arbeitet seit 20 Jahren in einem Oberstufengymnasium und ist dort gewerkschaftlich aktiv. Die Schulen und der Lern- und Arbeitsalltag geraten seit Beginn der…

Produktionsaus für Leib Christi

In der größten Hostienbäckerei des Landes steht das letzte Abendmahl bevor: Die produktionsstärkste Bäckerei von Teigplatten für den religiös-zeremoniellen Gebrauch schließt, denn der gottlose…

Generalstreik in Griechenland

Für den Schutz vor Corona am Arbeitsplatz, den Ausbau des Gesundheitswesens und gegen unsoziale Gesetze der Regierung rief die Militante Arbeiterfront (PAME) gestern in…