HomeInternationalesSozialdemokratischer Kriegstreiber in den Ritterstand erhoben

Sozialdemokratischer Kriegstreiber in den Ritterstand erhoben

Tony Blair wurde von Elizabeth II. zum „Ritter des Hosenbandordens“ ernannt. 500.000 Menschen protestierten binnen Stunden mit einer Petition gegen die Verleihung des höchsten britischen Ordens für den Mitverantwortlichen des mörderischen Irakkriegs.

London. Im Rahmen der traditionellen Neujahrsehrung ließ die britische Monarchin eine ganze Reihe von Personen mit Orden auszeichnen. So erhielten etwa der Schauspieler Daniel Craig oder das „Spice Girl“ Melanie Brown offizielle Ehrungen. Doch für Aufsehen sorgte vor allem die Verleihung des „Most Noble Order of the Garter“ (übersetzt etwa „Hochedler Orden vom Hosenbande“). Denn ausgerechnet der Sozialdemokrat Tony Blair durfte sich über die höchstmögliche britische Ehrung, welche mit dem Ritterstand und somit der Adels-Andrede „Sir“ einhergeht, freuen.

Tony Blair war von 1994 bis 2007 Vorsitzender der Labour-Partei, von 1997 bis 2007 war er als Premierminister Einpeitscher des völkerrechtswidrigen und nachweislich mit geheimdienstlich fabrizierten Lügen begründeten Irak-Krieges, der zehntausende Menschenleben kostete. Vor wenigen Jahren forderte deshalb ein gutes Drittel aller Briten, den Mann als Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen. Weit über 400.000 Menschen unterzeichneten binnen Stunden eine Petition, die eine Rücknahme der Ordensverleihung, stattdessen solle Blair für Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. Doch im Buckingham Palace sieht man das mit imperialistischen Angriffskriegen schon aus historischer Tradition heraus nicht so streng.

Partei mit dem Kapital versöhnt

Außerdem mag die Queen auch andere – zumindest aus royaler Sicht – ehrenwerte Züge an Blair gefunden haben. War er es doch, der unter dem Schlagwort „New Labour“ als Stichwortgeber der ideologischen und programmatischen Selbstaufgabe zahlreicher sozialdemokratischer Parteien Europas in den 90er-Jahren fungierte. Mit Blair machte die britische Sozialdemokratie auch ganz offiziell ihren Frieden mit der kapitalistischen Wirtschaftsweise, distanzierte sich von Vergesellschaftung, Klassenkampf und Sozialismus, die zumindest bis dahin noch im Programm Erwähnung gefunden hatten.

„Revolutionäre Sozialisten werden den durch Blair verursachten Vertrauensverlust in den britischen Staat nicht bedauern, aber sie müssen versuchen, diesen Verlust in Richtung radikaler und demokratisierender Veränderung zu lenken“, schreibt der der Kommunistischen Partei Britanniens nahestehende „Morning Star“ zur Aufregung um die Ordensverleihung.

Quellen: Petition, Morning Star

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