HomeInternationalesVW-Betriebsratschef wechselt ins Ausbeutungsmanagement

VW-Betriebsratschef wechselt ins Ausbeutungsmanagement

Bernd Osterloh wird neuer Personalvorstand der VW-Tochter Traton (MAN, Scania). Damit schlägt sich der angebliche „Arbeitervertreter“ endgültig auf die Seite des Kapitals.

Wolfsburg/München. Im Jahr 1977 kam Bernd Osterloh als gelernter Industriekaufmann ins Volkswagen-Werk nach Wolfsburg. Ab 1990 machte der sozialdemokratische Berufspersonalvertreter Karriere im Betriebsrat, 2005 wurde er Vorsitzender am Wolfsburger Standort, danach Gesamtbetriebsratsvorsitzender aller VW-Werke sowie Konzernbetriebsrat, womit auch ein Mandat im VW-Aufsichtsrat verbunden war. Dass Kollege Osterloh kein „klassischer“ Arbeitervertreter im eigentlichen Sinn ist, weiß man schon länger: Als BR-Ausschussleiter unterstützte er einerseits das Tarifdumping von Peter Hartz gegen die Belegschaft, 2017 ermittelte die Staatsanwaltschaft dafür wegen überhöhter Gehaltszahlungen an Osterloh selbst – er gab damals an, dass sein Grundgehalt von 200.000 Euro pro Jahr mittels Boni auf bis zu 750.000 Euro optimiert wurde. Die Angelegenheit endete mit einem außergerichtlichen Vergleich.

Natürlich liegen solche absurden Vergütungen in Dimensionen, die fern jeder Arbeiterrealität sind. Insofern braucht man sich auch nicht wundern, dass der langjährige hochdotierte Vertreter der SPD-Arbeiteraristokratie nun ganz offiziell die Seiten wechselt: Osterloh nimmt ein Jobangebot des VW-Konzerns an, bei der Konzerntochter Traton in München Personalvorstand zu werden. Damit steigt er, pünktlich zum 1. Mai, ins Spitzenmanagement der LKW- und Bussparte von Volkswagen auf und nimmt endgültig eine Funktion im Dienste des Unternehmens wahr, während er auf die Arbeiterschaft keinerlei Rücksicht mehr nehmen muss – seine Aufgabe ist nun ganz gegenteilig die Organisierung der bestmöglichen Ausbeutung der Belegschaft. Das eigene Jahresgehalt wird nun im Alter von 64 Jahren endlich angemessen sein (zwei Millionen Euro), und wenn Osterloh genug Arbeiter entlassen und Standorte schließen kann, gibt’s vielleicht auch noch einen ordentlichen Bonus. Insofern braucht man im oberösterreichischen Steyr nicht hoffen, dass sich der bisherige Konzern-„Personalvertreter“ nun im Traton-Management für die Kolleginnen und Kollegen des MAN-Werks einsetzt.

Quelle: Der Standard

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