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Zahl der Geflüchteten auf Rekordhoch

Kurz vor dem Weltflüchtlingstag am 20. Juni veröffentlichte die UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) ihren jährlich erscheinenden „Global Report“ für das Jahr 2020. Die Zahl der Geflüchteten weltweit ist im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent gestiegen.

In die Gesamtzahl der knapp 82,4 Millionen Menschen auf der Flucht fließen sowohl 26,4 Millionen Geflüchtete im Ausland, 48,6 Millionen Binnenvertriebene sowie 4,1 Millionen Asylsuchende ein. 3,9 Millionen Venezolanerinnen und Venezoelaner im Ausland, die keinen Asylantrag gestellt haben, werden außerdem in die Zahl miteinberechnet, weil die UNHCR annimmt, dass diese Menschen nichtsdestotrotz Schutz benötigen und im eigenen Land nicht sicher sind. Diese Annahme ist durchaus begründet: In Venezuela gibt es neben der Wirtschaftskrise, die vor allem durch Sanktionen der USA befeuert wird, einen bewaffneten Konflikt mit paramilitärischen Gruppen, die sich vor allem durch Drogenhandel finanzieren. Erst kürzlich nahm eine solche Gruppe zehn Soldaten der venezolanischen Armee gefangen.

Mehr als zwei Drittel der Geflüchteten stammen aus nur fünf Ländern: Syrien, Venezuela, Afghanistan, dem Süd-Sudan und Myanmar. 42 Prozent sind Kinder oder Jugendliche. 2020 sollen wohl außerdem ungefähr eine Million Kinder als Flüchtlinge auf die Welt gekommen sein.

Den größten Anstieg verzeichnete die Zahl der Binnenvertriebenen, also jener Menschen, die sich innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht befinden. Mit über 48 Millionen wurde das bisherige Maximum von 2019 erneut mit einem Zuwachs von zirka 11 Prozent überschritten. Im Vergleich dazu: 2011 betrug diese Zahl noch 15,5 Millionen. Die Anzahl hat sich in nicht einmal zehn Jahren also mehr als verdreifacht. Der Großteil dieser Menschen befindet sich den Krisenregionen Afrikas, unter anderem Somalia, dem Süd-Sudan, Mosambik oder der Demokratischen Republik Kongo. „Spitzenreiter“ ist jedoch Kolumbien mit ungefähr 8,3 Millionen Binnenvertriebenen. Die Ursache ist vor allem organisierte Kriminalität, wobei die Grenzen zu staatlicher Gewalt nicht klar gezogen sind: Immer wieder werden Verbindungen zwischen dem kolumbianischen Staat und Drogenkartellen öffentlich. Auch angesichts der gewaltvollen und mörderischen Repression gegen den Generalstreik gibt es wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende der Fluchtursachen für Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer.

Auch weltweit kann man nicht mit einem bald einsetzenden Rückgang der Zahl der Geflüchteten rechnen: die militärischen Konflikte weltweit verschärfen sich und auch die Zahl der Menschen, die in Armut leben, sowie derer, die von Hunger betroffen sind, ist 2020 gestiegen.

Quelle: UNHCR

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