HomeKlassenkampfErster Hitzetoter des Jahres am Bau

Erster Hitzetoter des Jahres am Bau

Wien/Leoben. Am Mittwoch dieser Woche ist nach Angaben der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) auf einer Baustelle in der obersteirischen Stadt Leoben ein 46-jähriger Arbeiter kollabiert und anschließend im Krankenhaus gestorben. Die Gewerkschaft sieht in dem Vorfall den ersten hitzebedingten tödlichen Arbeitsunfall dieses Jahres.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz und SPÖ-Nationalratsabgeordnete Josef Muchitsch appelliert an die Bauunternehmer, Pausen zu gewähren, die Arbeiten wo möglich in den Schatten zu verlegen und ausreichend Trinkwasser und Sonnenschutz zur Verfügung zu stellen. Wenn es über 32,5 Grad Celsius auf der Baustelle hat, soll unbedingt Hitzefrei gegeben werden. Muchitsch: „Sonst hat das dramatische Folgen.“

Die Rechtslage sieht derzeit so aus, dass die Firma hitzefrei geben kann, sobald die 32,5 Grad im Schatten erreicht sind. Das würde meistens ohnehin nur einige Stunden am Nachmittag betreffen. Wenn die Firma frei gibt, so bekommen die Arbeiter für die freien Stunden nur 60 Prozent des Stundenlohnes ausbezahlt, das ist analog der Schlechtwetterregelung, dem „60er“, die es seit vielen Jahrzehnten am Bau gibt. Gedeckt ist das finanziell durch die Beiträge, die von den Unternehmern an die Bauarbeiter-Urlaubs-und-Abfertigungskasse (BUAK) abzuführen sind. Das heißt, die Unternehmen bekommen die 60 Prozent, die sie den Beschäftigten für die hitzefreien Stunden bezahlen, zur Gänze vion der BUAK ersetzt.

In der Praxis geht es oft darum, dass Baustellen ohnehin schon in Verzug sind, und Pönalezahlungen an den Auftraggeber drohen, weshalb die Firmen keine einzige Arbeitsstunde der Beschäftigten verlieren wollen. Die bestehende Regelung ist daher auch zahnlos. Erst wenn die Firmen gesetzlich dazu verpflichtet werden, den Arbeiternnen und Arbeitern ab 32,5 Grad freizugeben, wird es weniger Gesundheitsschäden und Tote durch Hitze geben.

Die Gewerkschaft sollte sich eingestehen, dass sie mit der sozialpartnerschaftlichen Lösung gescheitert ist, weil der Profit den Firmen oft wichtiger ist, als die Gesundheit ihrer Beschäftigten. Deshalb sollten gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen ergriffen werden, um eine gesetzliche Regelung durchzusetzen.

Für den 28. und 29. Juni werden übrigens die nächsten Rekord-Hitzetage angekündigt. Angesichts des Klimawandels und der damit verbundenen Erderwärmung werden solche heißen Tage in Zukunft im Jahresschnitt eher mehr als weniger werden.

Quelle: gbh

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