HomeKlassenkampfFahrradkuriere: KV-Abschluss von Teuerung abgehängt

Fahrradkuriere: KV-Abschluss von Teuerung abgehängt

Angesicht der aktuellen Inflation von 4,3 % (bei Energie und Lebensmitteln deutlich mehr) ist der gewerkschaftliche Jubel über den Kollektivvertrags-Abschluss der Fahrradbotinnen und Fahrradboten mit mageren 3,5 % unangebracht.

Wien. „Mehr Geld für FahrradbotInnen“: Die Gewerkschaft vida versucht sich die hart verhandelten Reallohnverluste schönzureden. Tatsächlich sind die nun monatlich 1.593 € brutto (plus Kilometergeld) für den Knochenjob allenfalls als Hungerlohn zu bezeichnen. Im Jahr 2015 (!) forderte die Gewerkschaft übrigens bereits einen Mindestlohn von 1.700 € in allen Kollektivverträgen.

Das Plus von 3,5 % zum Vorjahr liegt weit unter der aktuellen Inflation und bedeutet folglich für die Kolleginnen und Kollegen real ein Minus. Wenn sie denn überhaupt vom KV erfasst sind – in der Branche ist etwa Mjam/Foodora dafür bekannt, die Radlerinnen und Radler „selbstständig“ oder mit freiem Dienstvertrag auszubeuten.

In die Pedale treten – für Milliardenkonzerne

Die vida verweist auf einige erfreuliche Neuerungen des Abschlusses: So wird eine 5‑Tage-Woche endlich zur Norm, es kommt ein 50-prozentiger Sonntagszuschlag. Dennoch kommt der magere KV zu einer Zeit, in der die Branchengrößen einen wahren Goldrausch erleben. Die Lieferando-Mutter „Just Eat Takeaway“ ist an der Börse 10 Milliarden Euro schwer. Im Vorjahr wurden ein Drittel mehr Bestellungen bearbeitet. Mjam/Delivery Hero wuchs in wenigen Jahren auf 21 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Erarbeitet werden solche Beträge von Menschen, die weniger als 10 Euro in der Stunde verdienen, sich das Essen, das sie zustellen, oft selbst nicht leisten könnten. Oft wird die prekäre Situation von Zugewanderten ausgenutzt, die kaum eine andere Beschäftigung finden können. Mit den Versprechungen von Flexibilität und Selbstbestimmtheit hat der harte Arbeitsalltag nichts gemein.

Hintergrund

Den Kollektivvertrag für Fahrradboten gibt es erst seit 2020 – es war der erste seiner Art weltweit. Tatsächlich ermöglicht er für einen Teil der Kolleginnen und Kollegen erstmals Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Absicherung bei Krankheit, Karenz und viele andere Vorzüge eines geregelten Beschäftigungsverhältnisses. Genaue Zahlen, wie viele Fahrradbotinnen und ‑boten nach KV beschäftigt werden, liegen nicht vor, es dürften nach Gewerkschaftsschätzungen aber einige Tausend sein. Der aktuelle Abschluss gilt rückwirkend ab 1. Jänner 2022.

Quelle: Vida

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