Start Klassenkampf Google-Angestellte gründen Gewerkschaft

Google-Angestellte gründen Gewerkschaft

Abseits gelungener PR und Selbstinszenierung ist die Google-Dachgesellschaft Alphabet kein allzu guter und fairer „Arbeitgeber“. Die Belegschaft reagierte nun mit der erstmaligen gewerkschaftlichen Organisierung der Angestellten.

New York/Mountain View. Beim Technologie-Konzern Alphabet Inc. – so heißt die Google-Holding seit 2015 – gibt es mit dem neuen Jahr eine nützliche Neuerung für die Angestellten: eine Gewerkschaft. Die „Alphabet Workers‘ Union“ (AWU) wurde am 4. Jänner 2020 offiziell gegründet, mit Unterstützung des traditionsreichen und mitgliederststarken Verbandes der „Communication Workers‘ of America“ (CWA). Bislang hatte die Google-Konzernleitung erfolgreich verhindert, dass sich die Angestellten gewerkschaftlich organisieren, nicht zuletzt durch die Entlassung kritischer Mitarbeiter, die entsprechende Schritte versucht hatten. Nun haben sich jedoch die Initiatoren durchgesetzt. Sie haben angekündigt, dass sich die AWU für faire Entlohnung, soziale und gesellschaftliche Gerechtigkeit, demokratische Verhältnisse sowie ethische Standards einsetzen will. Das ist auch dringend notwendig, denn der wirtschaftliche Erfolg des milliardenschweren IT-Konzerns ist eng verknüpft mit höchst fragwürdigen Methoden der Firmenpolitik und Unternehmensführung.

Wiederholt kam der Konzern in Konflikt mit Datenschutz- und Urheberrechtsrichtlinien, mit Wettbewerbsregeln und nicht zuletzt mit Steuergesetzen, die gezielt umgangen werden. Ebenfalls in der Kritik standen der häufige Missbrauch der quasi-monopolitischen Marktmacht oder die Zusammenarbeit mit dem US-Militär bei der Entwicklung KI-gestützter Waffentechnik. Und wahrlich nicht zuletzt geht es um die Angestellten selbst, die insgesamt eine Zahl von einer Viertelmillion erreichen: Denn nur etwa 120.000 davon sind regulär angestellt und entlohnt, während eine knappe Mehrheit über billigere Varianten maximal ausgebeutet wird, mit prekären Arbeitsverhältnissen, mit Werkverträgen, die reale Beschäftigungsverhältnisse umgehen, sowie mit einem fragwürdigen System formeller „Subunternehmer“ – all dies spart dem Konzern Geld, während die Arbeiter und Angestellten im Regen stehen. Dagegen will die AWU nun vorgehen, indem sie die Google-Mitarbeiter organisiert. Die Gründungsmitgliedschaft von 230 Kolleginnen und Kollegen muss hierfür freilich rasch ansteigen, wobei man in der Konzernleitung gewiss versuchen wird, dies auf ebenso subtile wie heimtückische Weise zu torpedieren. Der erste Schritt zum innerbetrieblichen Widerstand ist jedoch gemacht. Glück auf!

Quelle: Der Standard

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