HomeKlassenkampfHöchster Reallohnverlust seit 1955

Höchster Reallohnverlust seit 1955

Das WIFO erwartet für 2022 einen Reallohnverlust der arbeitenden Menschen von 2,3 Prozent – sie werden also effektiv ärmer, was ein Ergebnis des Krisenkapitalismus ist.

Wien. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) prognostiziert für das laufende Jahr den höchsten Reallohnverlust für Österreichs Arbeiterschaft seit fast 70 Jahren. Konkret rechnet das WIFO gegenwärtig mit einem Minus von 2,3 Prozent. Diese Einschätzung ergibt sich, wenn man Lohnzuwächse und die Inflation gegenüberstellt: Zwar steigen die Einkommen nominell, d.h. in absoluten Zahlen, doch die Teuerungsrate steigt deutlich stärker und schneller. Somit haben die Menschen zwar ein paar Euro mehr in der Geldbörse, können sich damit aber weniger leisten als zuvor.

Das Minus von 2,3 Prozent ist der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1955. Der bisherige „Rekord“ lag bei 1,4 Prozent im Jahr 2011. Grundsätzlich sind Reallohnverluste freilich nichts Ungewöhnliches, da die sozialdemokratischen Vertreter bei den KV-Lohnverhandlungen gegenüber der Unternehmerseite letztlich immer nachgeben und Abschlüssen unterhalb der aktuellen Inflationsrate zustimmen. Das nun vom WIFO für 2022 prognostizierte Ausmaß liegt jedoch weit über den „normalen“ Entwicklungen, könnte sich aber trotzdem noch als zu optimistisch erweisen.

Man sieht, wie die Arbeiterklasse selbst in der Krise vom Kapital im Sinne der Profitmacherei maximal ausgebeutet werden soll: Die Löhne dürfen nicht ernsthaft steigen, die Konsumentenpreise tun es jedoch sehr wohl. Dass diese Diskrepanz, die dem Grundwiderspruch des Kapitalismus entspringt, auch der letztliche Auslöser kapitalistischer Krisen ist, sei als Ironie am Rande erwähnt – und in der Krise treibt es die „Marktwirtschaft“ nochmals auf die Spitze. Für die Arbeiterklasse bedeutet sie daher reale Lohnverluste, finanzielle Schwierigkeiten, Armutsgefährdung und tatsächliche Armut. Viele Menschen können sich ihr Leben nicht mehr leisten. Doch in Wahrheit ist es der Kapitalismus, den wir uns nicht mehr leisten können und sollten.

Quelle: Der Standard

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