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Lehrkräfte streiken in Frankreich

In ganz Frankreich legten die Lehrerinnen und Lehrer am Donnerstag die Arbeit nieder, um gegen die Pandemiepolitik an den Schulen zu protestieren.

Paris. Konkret richtete sich der Protest am Donnerstag gegen sich ständig ändernde Testvorschriften und fahrlässige Pandemiemaßnahmen an den Schulen. Mittlerweile müssen in Frankreich einzelne Klassen ihren Unterricht weiterführen, obwohl Infektionen registriert wurden. Eine zentrale Testung an den Schulen ist nicht existent. Bei einer derzeitigen Sieben-Tage-Inzidenz von 3000 scheint die Strategie der französischen Regierung, ähnlich wie auch in Österreich, eine Durchseuchung der Gesellschaft zu sein, unter anderem auch auf dem Rücken der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schülerinnen und Schüler.

Seit Jahresbeginn haben sich die Covid-Vorschriften an Frankreichs Schulen bereits dreimal geändert. Laut der FSU-Teilgewerkschaft für Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer SNUipp-FSU wissen selbst viele der Schulleiterinnen und Schulleiter nicht mehr, wann und wie oft welche Schülerinnen und Schüler einen PCR- oder Antigentest durchführen müssen. Die FSU ist die größte Gewerkschaft für Lehrkräfte in Frankreich und umfasst zahlreiche Teilgewerkschaften für verschiedene Berufsgruppen im Erziehungs‑, Forschungs- und Bildungsbereich sowie im öffentlichen Dienst.

Hohe Beteiligung und Polizeigewalt

Bemerkenswert am Streik war, dass alle größeren Gewerkschaften gemeinsam zu ihm aufgerufen hatten und er außerdem vom Elternvertreterverband FCPE sowie von vielen Schülerinnen und Schülern unterstützt wurde, die sich an den Protesten beteiligten. Auch die Zahl der Streikenden war außergewöhnlich hoch. Laut Schätzungen der Gewerkschaften beteiligten sich in den Grundschulen rund 75 Prozent und in den weiterführenden Schulen zirka 62 Prozent des Personals am Streik. Von den insgesamt 48.950 Bildungseinrichtungen blieb über die Hälfte geschlossen. Die Gewerkschaften sprachen dementsprechend von einer „historischen Mobilisierung“. Doch bereits zu Beginn der Proteste ist es zu übermäßiger Polizeigewalt gekommen. Auf Twitter veröffentlichte Videos zeigen wie die Pariser Polizei mit Schlagstöcken eine Blockade der Schule „Lycée Colbert“ bricht und dabei Taser gegen Schülerinnen und Schüler einsetzte.

Mobilisierung soll weitergeführt werden

In einer am Freitag veröffentlichten Erklärung der SNUipp-FSU heißt es, dass mit dem Arbeitskampf erste Erfolge erzielt werden konnten. Man habe die Regierung und den Bildungsminister Jean-Michel Blanquer dazu gezwungen, „die Tür für erste Gespräche zu öffnen“. Im Schreiben lädt die FSU die anderen Gewerkschaften des Landes jedoch auch dazu ein, gemeinsam weitere und möglichst einheitliche Mobilisierungsmaßnahmen zu setzen, um wirkliche Veränderungen zu ermöglichen. Die SNES-FSU, zuständig für das Lehrpersonal an den weiterführenden Schulen, kündigte ebenso an, dass der Kampf unbedingt weitergeführt werden muss. Man müsse außerdem versuchen, die weitere Mobilisierung mit dem branchenübergreifenden Aktionstag für Löhne und Arbeitsplätze am 27. Januar zu verknüpfen. Auch die CGT ruft das Lehrpersonal dazu auf, gemeinsam mit Beschäftigten aus anderen Branchen am 27. Jänner in einen landesweiten Streik zu treten. 

Quellen: FSU/FSU/CGT/Der Standard/Junge Welt/Twitter

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