Start Klassenkampf Metaller-KV: Arbeitgeber wollen Lohnverhandlungen aufschieben

Metaller-KV: Arbeitgeber wollen Lohnverhandlungen aufschieben

Wenn am 24. September die jährlichen KV-Verhandlungen in der Metallindustrie starten, wollen die sogenannten Arbeitgeber des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI) über eine Verschiebung diskutieren. Dies wäre ein absolutes Novum. Als Grund nennen die Kapitalvertreter, dass sich die Branche in einer „absoluten Ausnahmesituation“ befinden würde und es „heuer nichts zu verteilen“ gäbe.

Wien. Am Montag ließ der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), Christian Knill, bei einer Pressekonferenz in Wien verlautbaren, dass es „aus wirtschaftlicher Sicht“ am sinnvollsten wäre, „die Lohnverhandlungen in das nächste Jahr zu verschieben“. Außer Sorgen gäbe es „heuer nichts zu verteilen“, erklärte Knill weiter, denn: „Wir sind in einer absoluten Ausnahmesituation.“ Die Corona-Krise hätte die Branche um mehr als 10 Jahre zurückgeworfen und man werde drei bis vier Jahre brauchen, „um wieder auf das Niveau von 2019 zu kommen, so es keine weitere Krise gibt.“ Der Kapitalvertreter verwies zudem auf Deutschland, wo die dortigen Tarifgespräche – so werden die Lohnverhandlungen in der BRD genannt – in der Metall- und Elektrobranche wegen der momentanen Corona-Pandemie unterbrochen wurden. In Österreich wäre dies jedoch ein absolutes Novum, denn noch nie wurden die Metaller-KV-Verhandlungen bisher verschoben.

Zudem appellierte der FMTI-Obmann an die Regierung, die Rahmenbedingungen zu verbessern und forderte abermals eine Senkung der Lohnnebenkosten, um „Zuversicht zu schaffen“.

Die Gewerkschaften halten (derzeit noch) dagegen und wollen an der diesjährigen Herbstlohnrunde festhalten. Eine Nulllohnrunde komme für die Gewerkschaften jedenfalls nicht in Frage, hieß es in einer Aussendung der beiden gewerkschaftlichen Chefverhandler, Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp). „Aufgrund der Wirtschaftskrise geht es heuer vor allem um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Für einen raschen Kollektivvertragsabschluss sind aber nachhaltige Lohn- und Gehaltserhöhungen notwendig, um die Kaufkraft der Menschen zu sichern.“ Die Gewerkschaftsvertreter betonten, dass „faire Lohn- und Gehaltserhöhungen“ das beste Mittel seien, um „die Kaufkraft zu sichern und eine gesamtwirtschaftliche Abwärtsspirale zu verhindern.“

Das unsägliche Gejammere des Kapitals vor den alljährlichen Lohnverhandlungen im Herbst ist bekanntlich so sicher wie das Amen im Gebet, aber heuer ist die Stoßrichtung unmissverständlich: Trotz milliardenschweren Rettungspaketen sollen die Beschäftigten die Zeche für die Krise zahlen und die Verluste der Konzerne sollen auf die Arbeiterklasse abgewälzt werden. Ob die Gewerkschaften sich auf dieses Schmierentheater der Kapitalvertreter vielleicht doch noch einlassen werden, bleibt jedenfalls abzuwarten.

Quelle: OÖN

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