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Warnstreik in deutscher Fleischindustrie

Die Schlachthöfe der BRD sind nicht gerade ein erfreuliches Arbeitsgebiet. Nun sollen durch einen zunächst begrenzten Streik zumindest höhere Löhne durchgesetzt werden.

Cloppenburg/Waldkraiburg. Nachdem die Verhandlungen über einen neuen flächendeckenden Tarifvertrag für die deutsche Fleischindustrie im März gescheitert waren, reagierte die Arbeiterschaft nun mit einem Warnstreik. In jeweils einem Schlachthof in Essen (Cloppenburg, Niedersachsen) sowie einem in Waldkraiburg (Mühldorf am Inn, Bayern) wurde am vergangenen Mittwoch die Arbeit niedergelegt. Damit sollen die Forderungen der 160.000 Beschäftigen in der Fleischindustrie unterstrichen werden: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will einen dreistufigen Mindestlohntarifvertrag mit einem Einstieg von 12,50 Euro pro Stunde – die Unternehmen bieten hingegen lediglich eine unmittelbare Erhöhung auf 10,50 Euro an, mit der Perspektive eines Anstiegs auf zwölf Euro bis 2023. Auch Arbeitszeit‑, Zuschlags- und Urlaubsbedingungen stehen zur Disposition.

Die deutsche Fleischindustrie ist in den vergangenen Jahren massiv in Verruf geraten, wofür nicht nur niedrige Löhne, Mitarbeiterüberwachung sowie der Einsatz von billiger Leiharbeit und Schein-Werkverträgen verantwortlich waren – seit Pandemiebeginn wurde auch deutlich, dass die hygienischen Bedingungen und Corona-Sicherheitsvorkehrungen in vielen Schlachthöfen offenkundig ungenügend sind. Insbesondere der westfälische Tönnies-Konzern wurde zum Symbol der unhaltbaren Zustände in der Fleischindustrie der BRD. Daher gibt sich auch Freddy Adjan, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft NGG, kämpferisch: Mit den Streiks wolle man „ein eindeutiges Signal senden: Die Zeit von Ausbeutung und Niedriglöhnen in der Fleischbranche ist jetzt vorbei.“ Es bleibt zu hoffen, dass die Forderungen der Arbeiterschaft konsequent weiterverfolgt werden – sie sind das Mindeste, was innerhalb des Kapitalismus verlangt werden kann. Die Frage des Tierleides wäre freilich auch noch zu diskutieren.

Quelle: Der Standard

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