HomeKlassenkampfWie Spekulation die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln gefährdet

Wie Spekulation die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln gefährdet

Neben der Rüstungsindustrie profitiert auch die Finanzbranche gewaltig vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine: Mit Wetten auf steigende Lebensmittelpreise wurden seit März Milliarden umgesetzt.

Laut einem aktuellen UNO-Bericht hat sich durch Preissteigerungen die Zahl jener Menschen, die unter akuter Lebensmittel-Unterversorgung leiden, seit 2016 auf 200 Millionen verdoppelt. In Äthiopien, Madagaskar, im Jemen und Südsudan waren im Vorjahr 570.000 Menschen am Rande des Verhungerns – und heuer dürften es deutlich mehr werden. Die Zahl der Unterernährten dürfte Schätzungen zufolge um gut 10 Millionen Menschen steigen.

Unterbrochene Lieferketten und der Klimawandels tragen zweifellos zu den rasanten Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln bei – doch als Brandbeschleuniger kommt exzessive Spekulation auf den Finanzmärkten hinzu. Denn die allgemeine Erwartungshaltung steigender Preise führt nach der „Logik“ der Börsen zu ebensolchen. Im Zusammenhang mit „gewöhnlichen“ Wertpapieren sind solche extremen Preissprünge – man kennt sie schon seit der Tulpenzwiebel-Blase der 1630er-Jahre – absurd genug; im Zusammenhang mit Grundnahrungsmittel betreffen sie Milliarden Menschen in ihrem unmittelbaren Bedürfnis, nicht zu verhungern.

EU unter dem Einfluss der Lobbyisten

Die Situation rasant steigender Lebensmittelpreise gab es bereits 2007/2008. Schnell waren großspurige Ankündigen zu vernehmen, dass die Nahrungsmittelspekulation nun eingedämmt werden sollte. Doch wie zu erwarten, setzten Agrar- und Finanzlobby großzügige Schlupflöcher in der entsprechenden Finanzmarktrichtlinie durch.

Im April dieses Jahres waren an der maßgeblichen Pariser Getreidebörse bereits 7 von 10 Käufern von Termingeschäften Investmentunternehmen, Fonds und andere Finanzinstitutionen, die solche Geschäfte nicht zur Absicherung, sondern zum reinen Profitmachen betreiben. Sie steigen kurzfristig in die Lebensmittelmärkte ein, weil sie sich in Folge des Ukraine-Konfliktes ein gutes Geschäft versprechen. Das trieb die Weizenpreise binnen weniger Tage um 54 Prozent in die Höhe und führte in kürzester Zeit zu enorm gestiegenen Brotpreisen in den ärmsten Ländern der Erde.

Quelle: Agriland, FSIN

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