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Wieder eine Kündigung nach öffentlicher Kritik

Münster. Auch in Münster kam es nun zur Kündigung eines Kollegen, nachdem dieser dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) gegenüber Kritik an der Uniklinik Münster und den dort vorherrschenden Arbeitsbedingungen äußerte. Durch Corona kommt dem Krankenhaussektor und den dort herrschenden Beschäftigungsbedingungen eine ungewohnte öffentliche Aufmerksamkeit zu. Kolleginnen und Kollegen des Pflegepersonals werden auch von Medienvertreterinnen und ‑vertretern um ihre Einschätzung gebeten. Viele schon seit Jahren bestehende Initiativen, die mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege fordern, bekommen nun öffentliche Aufmerksamkeit. So auch bei dem Fall in Münster. Der betroffene Pfleger organisierte Ende Februar gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eine öffentliche Aktion, um öffentlich bessere Arbeitsbedingungen einzufordern. In diesem Zusammenhang äußerten sie sich auch in einem Beitrag zu ihrer Situation in der „Lokalzeit Münsterland“ im WDR-Fernsehen. Der besagte Kollege war hier mit von der Partie und dann flatterte ihm die Kündigung ins Haus. 

Die zuständige Fachgewerkschaft ver.di hat nun eine Kündigungsschutzklage gegen die Uniklinik Münster eingereicht und ruft die Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu Solidarität mit dem Fachkrankenpfleger der Intensivstation auf. Kolleginnen und Kollegen halten in einem offenen Brief fest, das dieser nur Dinge gesagt habe, die wohl jeder nachvollziehen könnte, der in diesem Bereich arbeite. 

Es kam bereits Anfang des Jahres zu einem ähnlichen Fall in Hamburg. Der private Hamburger Spitalbetreiber Asklepios schickte einer Betriebsrätin eine Kündigung, nachdem sich diese über die Situation auf der Intensivstation öffentlich kritisch geäußert hatte. Wir berichteten hierzu ausführlich. Diese Kündigung wurde durch öffentlichen Druck sowie rechtliche Schritte zurückgenommen. Hierzu hielten wir in unserer Berichtserstattung u.a. fest: Der Asklepios-Konzern hat seinen Antrag auf Kündigung der Betriebsrätin Romana Knezevic zurückgenommen. Dieser Erfolg geht auf die kollektive Anstrengung von Beschäftigten des Sanitätsbereichs zurück.

Beide Fälle zeigen nicht nur, dass schlechte Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern kein Einzelfall sind, was mittlerweile wahrscheinlich auch nicht mehr angezweifelt wird. Denn, wenn das Gesundheitssystem der kapitalistischen Profilogik untergeordnet wird, kann gar keine adäquate Versorgung gewährleistet werden. Aber die Fälle zeigen darüber hinaus, wie schamlos versucht wird, Kritik mundtot zu machen und Exempel zu statuieren, um Kolleginnen und Kollegen von ähnlichen Aktionen abzuhalten. Der Fall in Hamburg zeigte aber auch, dass Solidarität und eine gemeinsame Front der Arbeitenden gegen solche Mittel Wirkung zeigen können.

Quelle: WDR

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