Start Klassenkampf Zwangsmaßnahmen nehmen zu: Papiere weg und Freiheitsentzug

Zwangsmaßnahmen nehmen zu: Papiere weg und Freiheitsentzug

Niederösterreich/Oberösterreich/Tirol. 24h-Pflegerinnen und Erntehelfer werden extra eingeflogen und wie Sklaven behandelt. Reisedokumente werden „verwahrt“ und sie sind mit Dienstbeginn 168-Stunden auf Abruf. 72-Stunden Arbeitswoche auf dem Feld und miese Entlohnung. Erntehelfer in Oberösterreich eingesperrt.

Meldungen über zweifelhaftes Handeln gegenüber migrantischen Arbeitskräften in Österreich nehmen zu. Auf eine Anfrage der SPÖ hin wurde bekannt, dass eingeflogenen 24h-Pflegerinnen in Niederösterreich nach ihrer Ankunft in Österreich ihre Reisepässe abgenommen wurden. Diese wurden durch das Hotel, in dem sie für 14 Tage isoliert werden sollten, verwahrt. Laut Berichten der Tageszeitung „Der Standard“ berichtete eine rumänische Betreuerin via Whatsapp, sie habe seit sie in den Bus vom Flughafen in das Hotel gestiegen ist, keinen Personalausweis mehr, da dieser eingesammelt wurde. Sie spekulierte darüber, dass die Agentur, die sie vermittelt hat, diese habe. Auf Anfrage des Standards hielt das Unternehmen fest, dass dies auf Anweisung der Bezirkshauptmannschaft stattfand. Das Sozialministerium wies erst nach der Anfrage durch die SPÖ an, die Pässe wieder freizugeben. Dies geschah dann am Sonntag.

Am Mittwoch wurde schließlich bekannt, dass sich im Bereich der Erntehelfer in Oberösterreich ähnliches abspielte. Ein Landwirt sperrte laut Berichten insgesamt 15 Erntearbeiter aus der Ukraine über Nacht in ihrer Unterkunft ein, vermeintlich um ihre Ansteckung zu vermeiden. Drei der Arbeiter brachten dies bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige. Außerdem wurde bekannt, dass die Erntehelfer bis zu 72 Stunden in der Woche arbeiten müssen. In einer Erklärung der Partei der Arbeit (PdA) wird hierzu festgehalten: „Jedoch zeigen Beispiele wie dieses, dass auch lokal unter widrigsten Bedingungen der Profit maximiert wird und ‚Made in Austria‘ nicht unbedingt ein Qualitätsprädikat sein muss.“

Weiter berichtet die „Der Standard“, dass 120 Erntehelferinnen und Erntehelfer mit einem Charterflug aus Rumänien in Innsbruck gelandet sind. Die Arbeitskräfte seien nach der Ankunft in Kleinbussen in Gruppen zu maximal fünf Personen zu ihren Betrieben gebracht worden, heißt es von der Tiroler Landwirtschaftskammer. Vor Ort bot sich auf dem Flughafen allerdings ein etwas anderes Bild, dort warteten mindestens zwei große Reisebusse. Es wurden sofort auf dem Flughafen Abstriche für COVID-19-Tests gemacht und die rumänischen Arbeiterinnen und Arbeiter wurden unmittelbar nach Vorliegen eines negativen Testergebnisses zur Arbeit auf den Feldern eingesetzt. Frei bewegen dürfen sie sich allerdings in den ersten zwei Wochen nicht. Sie dürfen die Höfe, auf denen sie eingesetzt werden, nicht verlassen.

Die Beschäftigungsbedingungen in beiden Bereichen – im Bereich der Saisonarbeit und der 24h ‑Pflege – sind auch unabhängig von Corona schon weit unter den regulär herrschenden Arbeitsmarktstandards in Österreich. Migrantinnen und Migranten werden angeworben, damit dies auch weiterhin möglich bleibt. Denn viele einheimische Arbeitskräfte sind unter solch widrigen Bedingungen nicht bereit ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Bedingungen, die durch Corona offensichtlich weiter verschärft werden.

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