HomePanoramaCorona-Hotspot Isch(g)l

Corona-Hotspot Isch(g)l

Als Journalist muss man nicht alles wissen, aber man sollte wissen, wo man seine Annahmen überprüfen kann, um Peinlichkeiten zu vermeiden. Für die FAZ-Redaktion hätte ein Atlas gereicht. Oder einfach Wikipedia.

Frankfurt am Main/Bad Ischl. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gilt ja gemeinhin als Qualitätszeitung und Leitmedium in der BRD – oder sogar überhaupt im gesamten deutschen Sprachraum Europas. Für sorgfältige journalistische Arbeit reicht es trotzdem nicht immer, denn am vergangenen Dienstag war auf der FAZ-Website zu lesen: „Heute steht fest, dass im Jahr 2024 der österreichische Kurort Bad Ischl, der als Corona-Hochburg der ersten Stunde ins Gerede gekommen ist, Kulturhauptstadt Europas sein wird.“ Tatsächlich? Nein, nicht das mit der Kulturhauptstadt – das passt schon. Aber Bad Ischl als Pandemie-Hotspot im Frühjahr? Davon weiß man außerhalb der FAZ-Redaktion noch gar nichts, am allerwenigsten in Bad Ischl selbst. Wer nun ein Ergebnis investigativer Recherchen vermutet, ist natürlich falsch gewickelt. Der Verfasser des fraglichen Artikels hat vielmehr einen etwas peinlichen Fehler zu verantworten: Er hat Ischl mit Ischgl verwechselt.

Die alpine Après-Ski-Metropole Ischgl steht tatsächlich exemplarisch wie kein anderer österreichischer Ort für die ungehemmte Ausbreitung des Corona-Virus sowie für ein damit verbundenes Behördenversagen. In Bad Ischl hingegen gab es zwar zwischenzeitlich einen Cluster an der AHS, aber im Allgemeinen ist das Infektionsgeschehen vor Ort im Rahmen. Insofern möchte man den geschätzten Kollegen der FAZ ein bisschen Geografie näherbringen: Ischgl (Koordinaten: 47° 1‘ N, 10° 17‘ O) befindet sich ganz im Westen Österreichs, im Paznauntal, direkt an der Grenze zur Schweiz. Bad Ischl (47° 43‘ N, 13° 38‘ O) hingegen kann im oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts lokalisiert werden. Zwischen den beiden Gemeinden liegen das gesamte Bundesland Salzburg und fast ganz Tirol – sowie über 260 Kilometer Luftlinie. Anders gesagt: Diese Entfernung entspricht jener zwischen, z.B., Frankfurt und Hannover. Bevor’s aber noch eine Verwechslung gibt: Wir meinen Frankfurt am Main, nicht Frankfurt an der Oder. Das wird man in der FAZ-Redaktion ja vielleicht kennen.

Quelle: ORF

- Advertisment -spot_img

MEIST GELESEN