Start Panorama OMV setzt vermehrt auf chemische Industrie

OMV setzt vermehrt auf chemische Industrie

Einen Umsatzverlust von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr musste die OMV, einer der größten Industriekonzerne Österreichs, 2020 verzeichnen, was natürlich vor allem am niedrigen Ölpreis lag. Die Fördermenge betrug immerhin 463 000 Fässer Öl pro Tag, was jedoch ebenso einem Rückgang von zumindest 5 Prozent entspricht, weit entfernt vom einst erklärten langfristigen Ziel von 600 000 Barrel/Tag. Im Vergleich zu anderen Öl- und Gasproduzenten wie Exxon Mobil oder BP sind diese Zahlen jedoch noch einigermaßen gut. Der Grund dafür ist eine bereits in den letzten Jahren begonnene Umstrukturierung der OMV, die jetzt intensiviert werden soll.

Öl und Gas

Spätestens seit den 1990er Jahren expandiert die OMV international im Geschäftsfeld Öl und Gas. Der Konzern erwarb Felder zur Ölförderung in Libyen, der Nordsee, Pakistan, Australien und Neuseeland. So konnte die Fördermenge zwischen 2001 (80 000 Barrel/Tag) und 2002 (100 000 Barrel/Tag) um 25 Prozent erhöht werden. Zahlreiche Tankstellen in Südost- und Osteuropa kamen in den Besitz des österreichischen Großkonzerns. 2004 profitierte die OMV vom EU-Beitritt Rumäniens: Der marktbeherrschende staatliche Ölkonzern Petrom musste im Zuge der „Integration“ Rumäniens in die EU privatisiert werden. Die OMV erwarb sich 51 Prozent und konnte daraufhin über die Hälfte des rumänischen Tankstellennetzes abdecken. In den darauffolgenden Jahren beteiligte sich das Unternehmen an weiteren Erdölkonzernen in der Türkei (Petrol Ofisi), Ungarn (MOL) oder Norwegen (Statoil). Bis Mitte der 2010er Jahre zirka wurde diese Strategie konsequent fortgeführt und bereits bestehende Beteiligungen vergrößert. Das Expansionstreiben im Bereich Öl und Gas wurde dann jedoch langsam zurückgefahren. So verkaufte die OMV 2017 beispielsweise Petrol Ofisi an die Vitol Gruppe.

Chemische Industrie

Anstatt sich weiter ausschließlich auf das Hauptgeschäftsfeld Öl und Gas zu konzentrieren, ging man dazu über, nach gewinnbringenden Alternativen zu suchen. In den letzten Jahren wurde die Zusammenarbeit mit Österreichs größtem Elektrizitätsversorgungskonzern, der Verbund AG, mit der 2006 eine Fusionierung geplatzt war, intensiviert: Die OMV wird sich zukünftig an Photovoltaikanlagen beteiligen, laut Vorstandvorsitzenden Rainer Seele jedoch hauptsächlich für den Eigenbedarf. Dieses Geschäftsfeld will man wohl also weiterhin der Verbund AG überlassen. Stattdessen sieht die OMV in der chemischen Industrie ihre Zukunft. 2020 wurde die Beteiligung am dänischen Kunststofferzeuger Borealis von 36 auf 75 Prozent aufgestockt. Deren Chef, Alfred Stern, wechselt 2021 auch in den Vorstand der OMV. Die gute Geschäftsbilanz von Borealis im Jahr 2020 konnte die Gesamtverluste des Mutterkonzerns zumindest dämpfen. In Zukunft soll auf diesem Gebiet offensiv investiert werden: Seele spricht von drei Milliarden Euro, die mittelfristig in Österreich für solche Projekte abseits von Öl und Gas ausgegeben werden sollen.

Quelle: ORF/OTS/Zenker, Tibor (2006): Der Imperialismus der EU

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