Start Politik Goa-Party in der Sillschlucht eskaliert

Goa-Party in der Sillschlucht eskaliert

In der Nacht vom Samstag auf Sonntag eskalierte in der Innsbrucker Sillschlucht eine Goa-Party. Um 6.30 Uhr in der Früh musste die Polizei einschreiten und der Zugverkehr auf den angrenzenden Bahngleisen vorübergehend gestoppt werden.

Innsbruck. Berichten zufolge fand in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine Goa-Party mit mehr als 1.000 Besuchern in der Sillschlucht auf dem Gebiet der Tiroler Landeshauptstadt statt. Die Polizei wurde auf die nicht genehmigte Veranstaltung aufmerksam, nachdem gegen 6.30 Uhr ein Notruf wegen einer Alkoholvergiftung bei der Rettung einging. Die Bergung der leicht unterkühlten und stark alkoholisierten Person gestaltete sich schwierig, da er sich nicht kooperativ zeigte. Zudem musste die Bergrettung eingeschaltet werden aufgrund der schwierigen Zugänglichkeit der Sillschlucht.

Der Polizeieinsatz dauerte mehrere Stunden, da sich immer wieder von Alkohol und Drogen beeinträchtigte Gruppen auf angrenzenden Zuggleisen der Brennerbahn aufhielten. Der ÖBB-Notfallkoordinator wurde verständigt und der Zugverkehr zeitweise unterbrochen. Die Polizei musste die Gleise bis 11.30 Uhr sichern. Wanderer berichten, dass die Party bereits Samstag nachmittags voll im Gange war. Eine Gruppe erklärte, dass sie von der Polizei am Samstag um ca. 19.30 Uhr angesprochen wurde wegen einer Beschwerde über eine Party in der Sillschlucht. Die Gruppe erzählte, dass sie die Polizei auf Musik und Nebelmaschine, die auf der Party im Einsatz war, hingewiesen habe.

Nicht die erste Party in der Sillschlucht

Nicht zum ersten Mal findet in der Sillschlucht eine unangemeldete Party statt. Diese sind über Innsbruck hinaus bekannt und berüchtigt. Dabei sind diese Partys in vielerlei Hinsicht problematisch.

Die Sillschlucht ist für viele Innsbruckerinnen und Innsbrucker ein wichtiges Naherholungsgebiet. Seit Jahren gibt es immer wieder Probleme, dort überhaupt hinzukommen, weil die Stadt wegen des Baus des Brenner-Basistunnels immer wieder verschiedene Zugänge sperrt. Diese Situation wird durch diese Partys nicht verbessert. Erstens geht für viele der Wert als Naherholungsgebiet verloren, wenn man am Wochenende bereits am Nachmittag mit lauter Musik beschallt wird. Zweitens könnte das als zusätzliche Begründung für die Stadtregierung herhalten, den Zugang weiter zu erschweren.

Auch was den Umwelt- und Tierschutz angeht, sind solche Partys problematisch. In der Sillschlucht leben Tiere, die in ihrer natürlichen Lebenswelt durch Aktionen wie solche Partys gestört und beeinträchtigt werden. Es ist fraglich, wer den anfallenden Müll nach den Events entsorgt, wenn mehrere hundert Personen die ganze Nacht feiern, trinken und Drogen konsumieren. Hinzu kommt noch eine mögliche Verunreinigung des Wassers in der Sill, das grundsätzlich eine hohe Qualität aufweist.

Die ansteigenden COVID-19-Infektionen kommen momentan als zusätzliches Problem hinzu. Seit Tagen steigen die Infektionszahlen wieder massiv an. Im Freien ist die Ansteckungsgefahr zwar relativ gering, allerdings steigt bei Partys solcher Größenordnung das Risiko einer Ansteckung auch unter freiem Himmel.

Ganz grundsätzlich ist festzuhalten, dass diese selbst organisierten Partys und ihre Beliebtheit in Teilen der Jugend einerseits damit zu tun haben, dass sich viele von ihnen vergleichbare Events in der Stadt schlicht nicht leisten können. Andererseits steigt insbesondere in Zeiten schlechter werdender Lebensverhältnisse und einer Intensivierung der kapitalistischen Ausbeutung das Bedürfnis, sich mit dem Konsum von Alkohol und anderen Drogen von den wenig Perspektiven bietenden Lebensverhältnissen abzulenken. Nicht umsonst wird auch in weiten Teilen der populären Kultur der Konsum von Suchtmitteln verharmlost oder sogar glorifiziert, während im bürgerlichen Parteienspektrum über die Legalisierung verschiedener Drogen debattiert wird. Mit anderen Worten: Das Kapital braucht lächelnde Sklaven.

Quelle: TT

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