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Graz: Erste „Erklärtafel“ für Kommunistin Maria Cäsar

Bis 2028 will die Stadt Graz sogenannte „Erklärtafeln“ zu allen personenbezogenen Straßennamen und Platzbezeichnungen montieren. Die erste davon wurde im Maria-Cäsar-Park im Bezirk Liebenau angebracht.

Graz. In Graz erhalten in den nächsten Jahren sämtliche personenbezogene Straßen „Erklärtafeln“. Allein heuer sollen 90 davon montiert werden. Die erste Infotafel bezieht sich auf die steirische Kommunistin und Widerstandskämpferin Maria Cäsar.

Nach Maria Cäsar ist ein Park im Bezirk Liebenau benannt. Maria Cäsar wurde am 13. September 1920 in Prevalje/Slowenien geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Judenburg. Als Kind eines Stahlarbeiters lernte sie die Not der Zwischenkriegszeit kennen. Politisch war Maria Cäsar zuerst bei den Roten Falken und nach dem 12. Februar 1934 beim Kommunistischen Jugendverband (KJV) aktiv und leistete illegale Arbeit im Untergrund. 

Nach dem Einmarsch der Nazitruppen in Österreich wurde sie im Mai 1939 von der Gestapo verhaftet und war 14 Monate lang im Landesgericht Graz inhaftiert. Unmittelbar nach ihrer Enthaftung heiratete sie. Ihr erster Mann, der wie sie Mitglied einer Widerstandsgruppe war, fiel als Soldat im Jahr 1943. Maria Cäsar knüpfte in der Folge Kontakte zu jugoslawischen Partisanen und den Widerstandsgruppen in Judenburg. Als 1944 Mitglieder dieser Gruppen verhaftet wurden, befürchtete sie, dasselbe Schicksal zu erleiden und ging deshalb zu den slowenischen Verwandten. Da ihr Name im Zuge der Einvernahmen nicht genannt wurde, kehrte sie bald wieder nach Judenburg zurück, wo sie auch die Befreiung erlebte. 

Maria Cäsar war nach 1945 in der KPÖ und im Bund demokratischer Frauen (BDF) aktiv. Über Jahrzehnte war sie in Schulen, Jugend- und Erwachsenenbildungseinrichtungen unterwegs und hat antifaschistische Aufklärungsarbeit geleistet. Zudem war sie lange Jahre Vorsitzende des steirischen Landesverbands ehemals politisch Verfolgter (KZ-Verband). 

Maria Cäsar (Foto: KZ-Verband/KJÖ)

Für ihren jahrelangen Einsatz für eine bessere Welt wurde sie schließlich auch mehrfach geehrt und ausgezeichnet. So erhielt sie von der Republik Österreich 1978 die Befreiungsmedaille. Für ihren Einsatz als Zeitzeugin wurde sie 1995 zur Bürgerin der Stadt Graz und das Land Steiermark zeichnete sie im Jahr 1999 mit dem Goldenen Ehrenzeichen und 2014 mit dem Großen Ehrenzeichen aus. 2001 wurde ihr der erste Menschenrechtspreis des Landes Steiermark verliehen. Die Republik Österreich ehrte sie mit dem Silbernen Verdienstzeichen. 

„Erklärtafeln“ als Langzeitprojekt bis 2028

Insgesamt ist die Montage von 90 Infoschildern pro Jahr geplant, bis 2028 soll das Projekt dann abgeschlossen sein. 

Der Zusatztafel-Initiative war eine lange Diskussion über diskutable Straßennamen vorausgegangen, bis letztlich eine 14-köpfige Expertenkommission die Straßenbezeichnungen in Graz untersuchte. 2017 kam sie zum Schluss, dass von den 1.630 Grazer Verkehrsflächen 82 die Namen von historisch bedenklichen Personen tragen, wovon 20 Personen als höchst bedenklich eingestuft werden. Darunter sind Kriegstreiber wie Franz Conrad von Hötzendorf und NS-Wegbereiter wie Ottokar Kernstock oder Hans Kloepfer. Mit den „Erklärtafeln“ will sich die türkis-blaue Grazer Koalition offenbar Diskussionen über Umbenennungen von Straßen, die nach Nazis und Kriegstreibern benannt sind, sparen.

Quellen: steiermark​.orf​.at/kz​-verband​.at

Literaturhinweis: Maria Cäsar: „Ich bin immer schon eine politische Frau gewesen.“ – Widerstandskämpferin und Zeitzeugin. CLIO: Graz 2006, ISBN-13: 978–902542-00–7, 164 Seiten mit zahlreichen Abb. Euro 12,00 (Bestellung: verlag@clio-graz.net) 

BILDQUELLEKPÖ-Graz
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