Start Politik Kapitalistenverbände: Umweltschutz zu teuer

Kapitalistenverbände: Umweltschutz zu teuer

Die Vereinigungen der österreichischen Unternehmer mobilisieren gegen ein angedachtes Pfandsystem für Plastikflaschen, das die Recyclingquote erhöhen soll.

Wien. Die Wirtschaftskammer, die Industriellenvereinigung und der Handelsverband sind sich einig bei der rigorosen Ablehnung der Einführung eines Einwegpfandsystems für Plastikflaschen, wie es im Umweltministerium angedacht wurde. Sie befürchten einen „unnötigen“ Mehraufwand und eine finanzielle Mehrbelastung für die Betriebe, die gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten „volkswirtschaftlicher Wahnsinn“ seien. Anders gesagt: Das Kapital ist aus Profitgründen nicht bereit, in Recycling und Umweltschutz zu investieren, wobei die (ohnedies selbstverursachte) Krise als Ausrede herhalten muss. Man habe das Pfand-Ansinnen aus gutem Grund schon im Regierungsprogramm verhindert, sagt WK-Generalsekretär Karlheinz Kopf, ehemaliger Klubobmann der ÖVP im Nationalrat (bei den Koalitionsverhandlungen war allerdings eben noch keine Rede von einer Krise). Man sieht: Bei den Unternehmern und ihrem politischen Arm, der ÖVP, gibt es keine Bereitschaft, zur Plastikmüllvermeidung und zur Wiederverwertung ernsthaft beizutragen. Es ist ihnen zu teuer, es würde die Profite schmälern.

Dass es dringend Maßnahmen bräuchte, sollte allerdings auch schon in die Konzernzentralen durchgedrungen sein. In Österreich werden jährlich 1,6 Milliarden Getränkeflaschen aus Kunststoff in Umlauf gesetzt, doch nur 70 Prozent davon dem Recycling zugeführt – der Rest landet im ungetrennten Restmüll oder auf den Straßen und in der Natur, in Wäldern, Gewässern oder auf den Bergen. Gemäß einer EU-Vereinbarung soll der Prozentsatz der Wiederverwertung bei Plastikmüll bis 2025 auf 77 Prozent und bis 2029 auf 90 Prozent erhöht werden. Es ist zwar nicht gesagt, dass die Idee des Einwegpfandsystems ausreichend wäre und es gibt offene Fragen bei der Umsetzung, doch könnte es durchaus in die entsprechende Richtung wirken. Und die Kapitalisten von WK, IV und HV haben schon Recht: Das wird natürlich etwas kosten. Die Frage ist eben, ob Umweltschutz, der Erhalt natürlicher Ökosysteme und das letztliche Überleben der Menschheit dem Kapital etwas wert sind. Die klare Antwort lautet offenbar: Nein, ihm geht es lediglich um größtmögliche finanzielle Gewinne. Offenbar ist es der Kapitalismus, den wir uns nicht mehr leisten können.

Quelle: ORF

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