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Kein Plan für österreichischen Atommüll

In Österreich fallen jedes Jahr 15 Tonnen radioaktiver Abfall an. Eine Strategie für die Endlagerung fehlt bislang, wie seitens der Europäischen Union moniert wird.

Brüssel/Wien/Seibersdorf. Die EU-Kommission hat gegen die Republik Österreich ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Der Grund: Die Regierung hat es weiterhin verabsäumt, einen Plan für die Entsorgung, d.h. eigentlich Lagerung, des anfallenden radioaktiven Abfalls vorzulegen. Auch ohne Atomkraftwerke gibt es davon hierzulande nämlich genug: Stolze 15 Tonnen fallen pro Jahr an, v.a. in der Medizin, Forschung und Industrie, in konkreterer Form als strahlenbelastete Schutzkleidung, Werkzeuge, Anlagenteile oder Beton. In Summe sitzt Österreich bislang auf etwa 12.000 Fässern mit radioaktivem Müll. Dieser wird vorerst im Forschungszentrum Seibersdorf (Bezirk Baden, NÖ) zwischengelagert, was vertraglich bis zum Jahr 2045 möglich ist. Für die Zeit danach braucht es eine Lösung für eine sichere Endlagerung – und dies für einen etwas größeren Zeitraum: Es wird bis zu 500 Jahre dauern, bis von dem schwach- bis mittelradioaktiven Material keine Gefahr mehr ausgeht.

Und genau dafür fehlt der EU die österreichische Strategie, die eigentlich schon seit fünf Jahren vorliegen sollte. Doch egal, ob SPÖ, ÖVP, FPÖ oder Grüne in der Regierung waren bzw. sind – es gibt nichts Greifbares, weswegen die EU-Kommission nochmals ein zweimonatiges Ultimatum gestellt hat. Gesucht wird eine Methode, die in kontrollierter Bodennähe, d.h. nur geringfügig unterirdisch, für eine Endlagerung geeignet ist, denn die Zwischenlagerung in Seibersdorf erfolgt oberirdisch in Hallen. Und es braucht einen Ort dafür. Freilich ist es nicht gerade so, dass die österreichischen Gemeinden Schlange stehen, um sich als Müllhalden für radioaktives Material anzubieten. Die Regierung überlegt daher auch den „Export“ ins Ausland, doch ist dies rechtlich, finanziell und moralisch fragwürdig. Das nunmehrige Aufpudeln der EU ist jedoch auch nur pure Heuchelei: Sie fördert ungeniert die Errichtung und den Betrieb von Atomkraftwerken in ihren Mitgliedstaaten, was wesentlich gefährlicheren, weil hochradioaktiven Abfall verursacht, der für schlappe 24.000 Jahre unter Verschluss bleiben muss.

Quelle: Der Standard

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