HomeFeuilletonGeschichte„Für Feinde führt kein Weg nach Moskau“

„Für Feinde führt kein Weg nach Moskau“

Vor 80 Jahren begann vor den Toren der sowjetischen Hauptstadt die Gegenoffensive der Roten Armee gegen die anrückende deutsch-faschistische Wehrmacht. Binnen Wochen wurde diese um 250 Kilometer zurückgeworfen.

Am 5. Dezember 1941 startete die „Moskauer Angriffsoperation“, die sowjetische Gegenoffensive gegen die kurz vor der Millionenmetropole stehende Wehrmacht. Es ging ganz fundamental um die Existenz Moskaus und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Franz Halder, Stabschef des Heeres, hatte bereits im Juli 1941 in seinem Tagebuch notiert: „Feststehender Entschluß des Führers ist es, Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichzumachen, um zu verhindern, daß Menschen darin bleiben, die wir dann im Winter ernähren müßten.“

In Japan, aber auch seitens der abwartenden Türkei wurde der Verlauf der verbrecherischen „Operation Barbarossa“ genau verfolgt. Diese wären wohl nicht die einzigen imperialistischen Mächte gewesen, die sich im Falle einer Eroberung Moskaus durch die Faschisten – an der Seite Hitlers oder auch nicht – auf die Sowjetunion gestürzt hätten.

Dass erste Einheiten der Wehrmacht Anfang Dezember bereits die glänzenden Zwiebeltürme des Kreml gesehen haben sollen, dürfte dem Reich der Legenden angehören. Wie andere mögliche Ziele eines Luftwaffen-Bombardements waren die markanten Dächer durch Anstrich getarnt worden. Doch tatsächlich war die am 2. Dezember eingenommene Ortschaft Chimki lediglich 24 Kilometer vom Kreml entfernt, bis zur Stadtgrenze waren es nur 8 Kilometer.

Doch was die ihre eigene Stärke über‑, die Reserven der Roten Armee drastisch überschätzende Wehrmacht nicht wusste: Aus dem Fernen Osten der Sowjetunion wurden unter strenger Geheimhaltung strategische Reserven herangezogen. Ermöglich hatten das unter anderem wertvolle Informationen sowjetischer Agenten, wonach Japan keinesfalls noch 1941 intervenieren wolle. Auch der eiserne Wille der Moskowiterinnen und Moskowiter zur Errichtung von Verteidigungsanlagen, disziplinierten Aufrechterhaltung der Versorgung und Unterstützung der Sowjetsoldaten war von Hitler und seinen Generälen nicht antizipiert worden.

Bekannt ist die Parade zum 14. Jahrestag der Oktoberrevolution am Roten Platz am 7. November 1941, welche direkt an die Front weitermarschiert war. Mit dem 5. Dezember konnte die Rote Armee auf einer Frontbreite von gut 1.000 Kilometern in die Offensive übergehen. Am 15. Jänner 1942 gab Hitler schließlich den Befehl zum Rückzug. Der faschistische Raubzug in Europa hatte seine erste bedeutende strategische Niederlage erlitten. Der gerne zur Erklärung der Niederlage der Faschisten vor Moskau herangezogene Winter traf die Wehrmacht eben deshalb besonders, weil sie in maßloser Selbstüberschätzung nicht damit gerechnet hatte, im Krieg gegen die Sowjetunion monatelang in Kampfhandlungen verwickelt zu sein. Es sollten beinahe vier Jahre werden.

Vor Moskau verloren die faschistischen Okkupanten über 400.000 Soldaten. Bereits in den ersten zwei Monaten von „Barbarossa“ waren mehr Wehrmachtsangehörige gefallen oder verwundet als zwischen 1939 bis 1941 insgesamt im Westen. Der Große Vaterländische Krieg hatte mit der Moskauer Angriffsoperation eine bedeutsame Wendung genommen, er sollte jedoch noch viele Millionen Opfer fordern.

Unvergessen ist bis heute auch das von Johannes R. Becher verfasste Gedicht im Andenken an die Winterschlacht:

WINTERSCHLACHT UM MOSKAU 1941

Text: Johannes R. Becher, Musik: Hanns Eisler

Rotarmisten!
Das war die Division,
Die als erste Einzug halten sollte.
In Moskau. Sie ist nicht mehr.
Für Feinde führt kein Weg nach Moskau.
Den Freunden aber öffnen wir das Herz.
Für unsere Freiheit schlugen wir die Schlacht,
Und haben eine Schlacht zugleich geschlagen
Für aller Völker Freiheit.
Nicht zuletzt auch für die deine, Deutschland.
Rotarmisten!
Noch steht der Feind im Land
Noch ist er nicht zu Fall gebracht.
Wir stürmen weiter vor
Noch heute nacht!

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