HomeFeuilletonGeschichteVor 80 Jahren: Überfall auf die Sowjetunion

Vor 80 Jahren: Überfall auf die Sowjetunion

Am 22. Juni 1941 begann die deutsch-faschistische Wehrmacht mit dem Angriff auf die UdSSR. Von langer Hand als „Unternehmen Barbarossa“ geplant, unter Bruch des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages begonnen und als Vernichtungskrieg geführt, markiert der Ostfeldzug eines der zentralsten Verbrechen des deutschen Imperialismus und Faschismus. Diese militärische Aggression hatte mehrere Seiten und Ziele.

Imperialismus, Antikommunismus und Rassismus

In Form eines expliziten „Weltanschauungskrieges“ des deutschen Faschismus ging es dem herrschenden Monopolkapital um die Zerstörung der staatlich manifestierten revolutionären Arbeitermacht. Der deutsch-sowjetische Krieg war militärischer Klassenkampf auf staatlicher Ebene, der somit aus deutsch-faschistischer Sicht konterrevolutionäre Zwecke verfolgte: Der sozialistische Staat sollte vernichtet werden. Mehr noch: Der Bolschewismus und der Marxismus-Leninismus als erfolgreiche Speerspitzen der proletarischen Weltrevolution sollten ausgemerzt werden, auf dass die revolutionäre Arbeiterbewegung ihrer internationalen Bastion verlustig ginge und auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr auf die Beine käme. Dies implizierte das Ziel der vollständigen Ausrottung der kommunistischen Intelligenz.

Als imperialistischer Krieg sollte der Angriff auf die UdSSR freilich endlich jenen „Lebensraum im Osten“ gewährleisten, den das deutsche Monopolkapital – nicht die deutsche Bevölkerung – zur weiteren Entfaltung benötigte. Die Eroberung Polens war hierbei nur ein Vorbereitungsschritt und nicht mehr als die Etablierung eines Aufmarschgebietes – das eigentliche Ziel war weit größer: Die Eroberung des sowjetischen Territoriums bis zum Ural. Es ging hierbei um den Zugriff auf Ressourcen und Rohstoffe, die der deutsche Imperialismus in die Hand bekommen musste, um seinen Kampf um die globale Hegemonialposition erfolgreich „abschließen“ zu können.

Geradezu zwangsläufig war der Feldzug gegen die UdSSR auch ein rassistischer Vernichtungskrieg des deutschen Faschismus gegen die Völker der Sowjetunion – allerdings mehr als Mittel zum Zweck als gemäß rassenideologischen Anschauungen, von denen viele wussten, dass sie Unsinn und Propaganda sind. Mit der Herabsetzung der slawischen Völker, der unterstellten Verbindung der UdSSR bzw. des Bolschewismus mit dem Judentum, aber auch antiasiatischen Verknüpfungen sollte der Krieg im Osten jenen Charakter annehmen, der notwendig war: Schließlich war in der UdSSR seitens des deutschen Faschismus nicht nur eine Versklavung angedacht, sondern vielmehr eine weitgehende Entvölkerung, d.h. ein Genozid historisch ungekannten Ausmaßes. Für so etwas braucht es schon eine gewisse Rechtfertigungsideologie.

Widerstand und Befreiung durch die Rote Armee

Die politische Führung der UdSSR hatte alle diese Punkte sehr gut verstanden und wusste damit umzugehen. Sie rief die Bevölkerung zum Großen Vaterländischen Krieg gegen die Nazi-Horden auf. Die Grundlagen hierfür waren der sozialistischen Aufbauarbeit der vergangenen Jahrzehnte geschuldet, darunter u.a. die forcierte Industrialisierung, die erfolgreiche Implementierung der Fünfjahrespläne, aber auch die Schaffung eines sozialistischen Bildungssystems. Hinzu kam eine rüstungstechnische und militärstrategische Vorbereitung der Roten Armee, die diese zum Widerstand befähigte. Dahinter standen also die in dieser Hinsicht richtigen politischen Linien der KPdSU unter ihrem Generalsekretär Josef Stalin – ob es den Antikommunisten aller Schattierungen nun gefällt oder nicht. Anders wäre der deutsche Faschismus nicht aufgehalten und nicht besiegt worden.

Die deutsch-faschistischen Pläne scheiterten im Prinzip bereits mit der verlorenen Schlacht vor Moskau im Winter 1941/42. Hinzu kamen die mörderische, aber letztlich erfolglose Belagerung und Blockade Leningrads – sowie die berühmten Schlachten z.B. von Kursk oder natürlich Stalingrad. Die Wehrmacht geriet in die Defensive, die Rote Armee ergriff die Initiative: Sie vertrieb die deutsche Armee nicht nur aus dem eigenen Land, sondern setzte ihr nach und stellte die Bestie schließlich im Mai 1945 in ihrer Höhle in Berlin. Unterwegs befreiten die sowjetischen Soldaten u.a. Wien oder den Lagerkomplex von Auschwitz. Der 9. Mai 1945 markiert die bedingungslose Kapitulation Deutschlands gegenüber der UdSSR – dies ist der Tag des großen antifaschistischen Sieges der Sowjetunion, ihrer Völker, ihrer Armee und Partisaneneinheiten sowie ihrer politischen Führung. Der UdSSR kommt das unsterbliche Verdienst zu, den historischen deutschen Faschismus zerschlagen und den Großteil Europas befreit zu haben.

Doch dieser Sieg war mit immensen Verlusten verbunden. Den deutschen Verbrechen in der UdSSR fielen 14 Millionen sowjetische Zivilpersonen zum Opfer, 13 Millionen Rotarmisten kamen zu Tode. Kein anderes Land erlitt einen auch nur annähernd ähnlichen Blutzoll im Zweiten Weltkrieg. Diese Opfer sollen und dürfen nicht vergessen werden.

Geschichtsrevisionismus und imperialistische Kriegstreiberei

In Westeuropa und nicht zuletzt in der BRD ist man heute jedoch bereit, sie zu vergessen – ebenso wie die Verdienste der UdSSR an der Menschheit. Das hat nicht nur antikommunistische Gründe, sondern auch handfeste imperialistische. Das deutsche Monopolkapital, ob nun gerade bürgerlich-„demokratisch“ oder faschistisch in seinem Klassenstaat organisiert, hat seine Ziele niemals aufgegeben. Im Rahmen der NATO und der EU verfolgt man seine Großmachtpläne, bei denen russische und ukrainische Ressourcen und Territorien abermals eine Rolle spielen. 80 Jahre nach dem Überfall auf die UdSSR ergeht sich ein Gutteil des deutschen Kapitals mit seinen Parteien und Medien nicht in Demut, sondern in antirussischer Hetze und Kriegstreiberei. Die konzentrierten militärischen Potenzen sind abermals auf Moskau gerichtet, diesmal jedoch im besten Einvernehmen mit den USA und Großbritannien.

Legt man dem Kapital nicht rechtzeitig das Handwerk, so wird es Europa und die Welt früher oder später in einen neuen großen imperialistischen Krieg stürzen. Doch man möge sich in Berlin nicht nochmals verspekulieren: Alle Wege führen nach Stalingrad.

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