HomeFeuilletonGeschichteVor 90 Jahren: Zürcher Blutnacht

Vor 90 Jahren: Zürcher Blutnacht

Am 15. Juni 1932 unternahmen bewaffnete Polizeieinheiten in Zürich einen blutigen Angriff auf streikende und protestierende Arbeiter. Während der Streik der Heizungsmonteure von der KPS unterstützt wurde, wurde er von der SP-Stadtregierung verraten.

Im Jahr 1932 hatte die kapitalistische Weltwirtschaftskrise die Schweiz immer noch im Griff. In Zürich war es ironischer Weise die seit 1928 bestehende sozialdemokratische Gemeinderats- und Stadtratsmehrheit unter Stadtpräsident Emil Klöti, die mit den sozialen Verwerfungen zulasten der Arbeiterschaft umgehen musste. Die positiven Aspekte im „Roten Zürich“ kamen bei weitem nicht an das große Vorbild, das „Rote Wien“, heran, während die Kommunistische Partei (KPS) und kämpferische Arbeiter weiterhin eine relevante Rolle spielten.

Als bei den Zürcher Heizungsinstallateuren Lohnkürzungen angekündigt wurden, setzten sich diese zur Wehr. In einer Versammlung beschlossen die betroffenen Arbeiter und Handwerker, mit 9. Mai 1932 in den Streik zu treten – gegen den Willen der Gewerkschaftsdachverbände. Das Streikkomitee bestand zum Großteil aus formell parteiunabhängigen Vertretern, doch auch drei Kommunisten und vier Sozialdemokraten wurden gewählt. Es wurden Aktionen, Kundgebungen und Betriebsblockaden durchgeführt, die von der SP nicht goutiert wurden – die Fronten waren verhärtet.

Nach mehr als fünf Wochen Streik kam es Mitte Juni 1932 zur finalen Eskalation. Die sozialdemokratisch geführte Stadtregierung erließ ein Demonstrationsverbot, um des Arbeits- und Lohnkampfes Herr zu werden. Doch insbesondere die Kommunisten wollten sich nicht beirren lassen. Sie riefen zum weiteren Widerstand und für den 15. Juni zu einer erneuten Kundgebung auf. Über 4.000 Demonstranten versammelten sich daraufhin tatsächlich im Industriequartier zum Protestmarsch und zogen in Richtung Röntgenplatz. Um weitere Solidarisierungen im Arbeiterviertel zu unterbinden, griff die Polizei ein und die Kundgebung mit Knüppeln und Säbeln an: Die Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitern und der bewaffneten bürgerlichen Staatsgewalt gingen als Zürcher Blutnacht in die Geschichte ein, es gab einen Toten und 30 Schwerverletzte, darunter fünf Frauen.

Damit war der Widerstand der Arbeiter und Kommunisten zwar noch nicht gebrochen, doch es war der Anfang vom Ende des Streiks der Heizungsmonteure. Die sozialdemokratische Stadtregierung verlängerte einerseits das Demonstrationsverbot, andererseits sagte sie zu, die Lohnkürzungen zwar nicht zu reduzieren, aber zeitlich zu verzögern. Damit erreichte die SP mit 5. Juli ein Ende des Streiks, was auch die Hauptsache war: Die Sozialdemokratie erfüllte ihre Aufgabe bei der Unterbindung von Arbeitskämpfen und als soziale Hauptstütze der kapitalistischen Krisenpolitik und Ausbeutung.

Die bürgerliche Klassenherrschaft war nach der Blutnacht und dem Ende der Arbeitsniederlegung aber noch nicht fertig mit den kämpfenden Arbeitern: Gegen führende KP-Funktionäre wurde ein Gerichtsprozess wegen Aufruhrs angestrengt, der jedoch mangels Beweisen scheiterte. Weniger schwer tat sich die Klassenjustiz mit den einfachen Arbeitern: 25 Zürcher Heizungsmonteure wurden wegen Nötigung, Hausfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt angeklagt sowie zu insgesamt 180 Tagen Haft verurteilt.

Bis heute sind der Streik der Heizungsmonteure von Zürich 1932 sowie dessen Niederschlagung durch die und im Gefolge der Blutnacht vom 15. Juni lehrreiche historische Beispiele: Die Arbeiterklasse muss sich in ihren Kämpfen auf die eigene Kraft verlassen und findet unter den Kommunisten aufrichtige Verbündete. Die verräterische Sozialdemokratie aber – erstrecht, wenn an der Regierung – ist ein Kollaborateur der bürgerlichen Herrschaft und im Zweifelsfall immer ein Werkzeug zur Verteidigung des kapitalistischen Ausbeutungssystems.

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